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Stuttgart 21
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Stuttgart 21 (auch kurz S 21) ist ein Verkehrs- und Städtebauprojekt zur Neuordnung des Eisenbahnknotens Stuttgart. Im Rahmen des Projekts entstehen elf neue, meist unterirdische Strecken (57 km) sowie vier neue Stationen, darunter ein neuer Hauptbahnhof. Freiwerdende Gleisflächen sollen zur Stadtentwicklung genutzt werden. Zusammen mit der 2022 fertiggestellten Schnellfahrstrecke WendlingenâUlm wird das Vorhaben als Bahnprojekt StuttgartâUlm bezeichnet.
Das Projekt wurde 1994 erstmals der Ăffentlichkeit vorgestellt. Die Bauarbeiten begannen im Februar 2010. Die Inbetriebnahme war zunächst fĂźr Dezember 2019 geplant, wurde danach aber mehrmals verschoben. Eine ErĂśffnung war zuletzt fĂźr Dezember 2026 geplant, dieser Termin wurde Ende 2025 abgesagt, und ein neuer Termin soll erst Mitte 2026 bekannt gegeben werden. Die offiziellen Kostenschätzungen des Projekts sind mehrmals gestiegen: von 2,6 Milliarden Euro bei Planungsbeginn Ăźber 4,1 Mrd. bei Baubeginn auf Ăźber 11,4 Mrd. im Juni 2024.
Trotz weitgehender Einigkeit der verschiedenen Interessengruppen ßber die Notwendigkeit einer Modernisierung des Stuttgarter Bahnknotens ist das Projekt vielfach umstritten. Ein rechtswidriger Polizeieinsatz am 30. September 2010 mit einigen hundert teils schwer Verletzten fßhrte zur Schlichtung zu Stuttgart 21. Nach einem Regierungswechsel wurde Ende 2011 in einer Volksabstimmung ein Ausstieg des Landes Baden-Wßrttemberg abgelehnt. Kritiker setzen sich weiterhin fßr verschiedene Nachbesserungen und Alternativkonzepte ein, insbesondere fßr den (Teil-)Erhalt des bestehenden Kopfbahnhofes. Der Protest gegen Stuttgart 21 zählt mit ßber 700 Kundgebungen zu den am längsten andauernden Bßrgerprotesten Deutschlands.
Contents
⢠Struktur
⢠Stadtentwicklung
⢠Geschichte
⢠Entstehung
⢠Projektbeschluss
⢠Baubeginn
⢠Volksabstimmung
⢠Bau
⢠Inbetriebnahme
⢠Projektsteuerung
⢠Diskussion
⢠Verkehrskonzept
⢠Bahnbetrieb
⢠Ăkologie
⢠Denkmalpflege
⢠Kosten
⢠Finanzierung
⢠Trivia
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Struktur
Durch das Projekt soll die oberirdische, ursprĂźnglich 17-gleisige Kopfbahnhofanlage des Stuttgarter Hauptbahnhofs ersetzt werden, durch einen unterirdischen, achtgleisigen und gegenĂźber den bisherigen Anlagen um etwa 90 Grad gedrehten Durchgangsbahnhof. Die darunterliegende zweigleisige S-Bahn-Station soll erhalten bleiben und von Norden Ăźber eine neue unterirdische Strecke erschlossen werden. Die bisherigen zweigleisigen Fernbahnstrecken von und nach Feuerbach und Bad Cannstatt erhalten eine neue StreckenfĂźhrung zum Hauptbahnhof, dazu entstehen jeweils neue zweigleisige Anbindungen zur Filderebene (Flughafen/Messegelände) und nach Oberâ/UntertĂźrkheim.cite-ref-pfa-1-1-1-0[1] Die sogenannte Panoramabahn bis Stuttgart-Rohr sollte nach ursprĂźnglichen Planungen abgebaut werden, inzwischen setzen sich Land, Region und Stadt dafĂźr ein, den Streckenabschnitt zu erhalten.cite-ref-vrs-2019-10-02-2-0[2] PersonenzĂźge Richtung Singen sollen zukĂźnftig Ăźber die Neubaustrecke zum Flughafen und von dort Ăźber den in Planung befindlichen Pfaffensteigtunnel weiter nach BĂśblingen gefĂźhrt werden.cite-ref-3[3] Neben diesem Ringschluss im Stadtgebiet sind die S-Bahn-Station MittnachtstraĂe, der Abstellbahnhof in UntertĂźrkheim und ein Fern- und Regionalbahnhof am Flughafen Stuttgart im Bau.cite-ref-db-2007-07-19-4-0[4] Die Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie wurde fĂźr den Bau verlegt; der verbleibende Teil des Bahnhofsgebäudes wird umgebaut und an den Tiefbahnhof angepasst.
Die neun Eisenbahntunnel weisen eine Gesamtlänge von 30 km bzw. 55 km RĂśhrenlänge auf, insgesamt entstehen 57 Kilometer neue Bahnstrecken durch das Projekt.cite-ref-db-2007-05-5-0[5]cite-ref-geotechnik-2007-4-217-6-0[6] Stuttgart 21 ist, neben der daran nahtlos anschlieĂenden Schnellfahrstrecke WendlingenâUlm, ein Teil des Bahnprojekts StuttgartâUlm.cite-ref-stn-2008-03-07-7-0[7]cite-ref-sn-2008-03-27-8-0[8] Die Mitte 2000 ebenfalls eingefĂźhrte Bezeichnung Baden-WĂźrttemberg 21 wurde ab 2008 nicht mehr verwendet, weil sie âdie internationale Dimensionâ des Projekts nicht umfasste.cite-ref-eri-2000-338-9-0[9]cite-ref-stn-2008-03-07-7-1[7] Die Neubaustrecke StuttgartâWendlingen war als Teil der Neu- und Ausbaustrecke StuttgartâAugsburg im Bundesverkehrswegeplan 2003 enthalten und ist Teil der Vorrangigen Achse Nr. 17 (âMagistrale fĂźr Europaâ) der Transeuropäischen Netze.cite-ref-bt-15-2050-10-0[10]cite-ref-tena-2007-11-0[11] Die Zahl im Namen bezieht sich auf das 21. Jahrhundert, in dem das Projekt verwirklicht werden soll.cite-ref-herkunft-zahl-21-12-0[12]
Stadtentwicklung
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Hauptartikel
:
Rahmenplan Stuttgart 21
Etwa 100 Hektar (= 1 Quadratkilometer) derzeitiger oder ehemaliger Gleisflächen am Rande der Stuttgarter Innenstadt sollen durch das Projekt nutzbar gemacht werden.cite-ref-db-2007-07-19-4-1[4] Diese Flächen wurden in acht Teilgebiete aufgeteilt:
⢠Gebiet A1: ehemaliger GĂźterbahnhof zwischen Heilbronner StraĂe und WolframstraĂe (ErschlieĂung seit 1999, unter anderem mit der Stadtbibliothek am Mailänder Platz)
⢠Gebiet A2: Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs (ErschlieĂung erst nach Fertigstellung mĂśglich)
⢠Gebiet A3: erstes Baufeld unmittelbar nĂśrdlich des neuen Hauptbahnhofs (ErschlieĂung erst nach Fertigstellung mĂśglich)
⢠Gebiet B: Abstell- und Wartungsbahnhof am Rosensteinquartier
⢠Post: Grundstßck des ehemaligen Paketpostamts, angrenzend an die nordÜstliche Ecke des Teilgebiets B
⢠Gebiet C1: innerer Nordbahnhof â SĂźdteil
⢠Gebiet C2: innerer Nordbahnhof â Nordteil
⢠Gebiet D: Gäubahntrasse zwischen Teilgebiet C1 und dem Stadtbezirk Stuttgart-Vaihingen
⢠Gebiet E: Westbahnhof.
20 Hektar sollen fßr die Erweiterung des Schlossgartens genutzt werden. Auf der verbleibenden Fläche soll Wohnraum fßr etwa 11.000 Menschen sowie Arbeitsplätze fßr rund 24.000 Menschen entstehen.cite-ref-db-2007-07-19-4-2[4]
Geschichte
â
Hauptartikel
:
Geschichte von Stuttgart 21
Entstehung
Bei der Vorplanung der Schnellfahrstrecke MannheimâStuttgart erwog die Deutsche Bundesbahn 1970, unter dem Stuttgarter Hauptbahnhof eine neue unterirdische Station fĂźr den Schnellverkehr aus Richtung Mannheim und Ulm anzulegen.cite-ref-stn-1970-202-17-13-0[13] Im Rahmen der in den 1980er Jahren geplanten Neu- und Ausbaustrecke zwischen Plochingen und GĂźnzburg wurden MĂśglichkeiten fĂźr einen Durchgangsbahnhof in Stuttgart untersucht.cite-ref-turmforum-2006-47-14-0[14] 1988 brachten Heimerl, Hohnecker und Dobeschinsky von der Universität Stuttgart eine Denkschrift ein, in der sie eine autobahnnah trassierte Neubaustrecke nach Ulm vorschlugen.cite-ref-heimerl-1988-15-0[15] Diese sollte in einen viergleisigen Durchgangsbahnhof unter dem bestehenden Stuttgarter Hauptbahnhof eingefĂźhrt werden.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-50-16-0[16] Das Land Baden-WĂźrttemberg schloss sich dem Vorschlag an, der dadurch Ende der 1980er Jahre zum Ausgangspunkt fĂźr weitere Planungen wurde. Zwischenzeitlich wurden noch weitere groĂräumige Alternativen geprĂźft.
Nach Abwägung verschiedener Varianten bis Oktober 1991 wurden zwei groĂräumige Konzepte weiterverfolgt,cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-50-16-1[16] die im Raum Stuttgart beide vorsahen, einen Tunnel ab Feuerbach von Norden zu einem viergleisigen unterirdischen Durchgangsbahnhof unter dem Stuttgarter Hauptbahnhof zu fĂźhren.cite-ref-tunnel-1993-288-17-0[17] Die Rahmenkonzeption H war eine Weiterentwicklung des Heimerl-Konzepts und sah vor, die Strecke vom Durchgangsbahnhof weiter zur Filderebene und nach Ulm zu fĂźhren.cite-ref-tunnel-1993-288-17-1[17] Die Rahmenkonzeption K sah dagegen vor, FernverkehrszĂźge vom Hauptbahnhof bis Plochingen unterirdisch zu fĂźhren und die anschlieĂende Bestandsstrecke zwischen Plochingen und SĂźĂen auszubauen. Auf der Schwäbischen Alb sollte ein Neubaustreckenabschnitt entstehen, der bei Beimerstetten mit der Bestandsstrecke verknĂźpft werden sollte.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-50-16-2[16] Im Oktober 1991 legte die Bundesbahn als HⲠbzw. KⲠbezeichnete Varianten vor, die anstelle des neuen Durchgangsbahnhofs eine Weiternutzung des Kopfbahnhofs vorsahen.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-50-16-3[16] Das Land Baden-WĂźrttemberg sprach sich am 15. September 1992 fĂźr eine autobahnnahe Trasse aus, die darĂźber hinaus den Flughafen anbinden sollte.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-50-16-4[16]
Im Planungsverlauf wurden fĂźr die Anbindung des Hauptbahnhofs vier Varianten entwickelt:cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-50-16-5[16]
1. Ein viergleisiger Durchgangsbahnhof unter dem bestehenden Kopfbahnhof mit Flughafenanbindung im Nebenschluss.
2. Ein viergleisiger Durchgangsbahnhof unter dem bestehenden Kopfbahnhof mit direkter Flughafenanbindung.
3. Ein neuer Durchgangsbahnhof am Rosenstein bei Aufgabe des Kopfbahnhofes.
4. Die Weiternutzung des Kopfbahnhofes.
Variante 3 hätte ermĂśglicht, das freiwerdende Bahngelände städtebaulich zu nutzen. Bei den Varianten 3 und 4 sollte sich an einen sechsgleisig ausgebauten Abschnitt der Bestandsstrecke im Filstal ab Esslingen-Mettingen eine Neubaustrecke auf die Filderebene anschlieĂen.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-50-16-6[16] Im Dezember 1993 beschloss der Vorstand der Deutschen Bundesbahn die Variante 4.cite-ref-rosenstein-stuttgart-18-0[18] Aufbauend auf die Variante H wurde schlieĂlich geprĂźft, ob der gesamte Bahnverkehr im Stuttgarter Hauptbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof verlagert werden kĂśnnte. Dies war die letzte Vorstufe fĂźr das Projekt Stuttgart 21.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-50-16-7[16] Am 18. April 1994 wurde das Projekt offiziell vorgestellt.cite-ref-sz-1994-89-10-19-0[19] Mit diesem Projekt sollten mehrere Einzelinteressen vereint werden: die Anbindung des Flughafens, die Beibehaltung des alten Standorts des Hauptbahnhofes, die städtebaulichen EntwicklungsmĂśglichkeiten, die autobahnnahe Schnellfahrstrecke nach Ulm sowie die Beseitigung der Gäubahntrasse bis Vaihingen. Bereits im Oktober 1990 hatten drei Stuttgarter Ingenieure ein Konzept vorgestellt, das auf Heimerls Idee aufbauend die Räumung sämtlicher Gleisflächen im Innenstadtbereich vorsah.cite-ref-stz-1990-242-19-20-0[20]
Machbarkeitsstudie und Vorprojekt
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Hauptartikel
:
Machbarkeitsstudie und Vorprojekt im Artikel
Geschichte von Stuttgart 21
Im Juni 1994 gaben DB, Bund, Land und Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die am 16. Januar 1995 vorgestellt wurde.cite-ref-sz-1995-13-08-21-0[21] Die Studie schlug den Umbau des Hauptbahnhofs zu einem achtgleisigen Durchgangsbahnhof vor, verbunden mit einem weitgehend unterirdisch gefĂźhrten Ring an Zufahrtsstrecken. Vorgesehen waren bereits die Durchbindung von Regionalverkehrslinien, die neue S-Bahn-Station MittnachtstraĂe, ein Wartungsbahnhof in UntertĂźrkheim sowie ein Fernbahnhof am Flughafen. Dieser sollte im Nebenschluss mit einem Gleisdreieck an die Neubaustrecke nach Wendlingen angeschlossen werden. Die Gesamtkosten von 4,8 Milliarden D-Mark sollten durch GrundstĂźcksverkäufe, Mehreinnahmen aus erhĂśhtem Fahrgastaufkommen, verbesserten Betriebsabläufen und aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes aufgebracht werden. Eine Wirtschaftlichkeit wurde angenommen, soweit vertiefte Untersuchungen (z. B. zur Mineralwasserproblematik) die Realisierbarkeit absicherten.cite-ref-s21-mbs-1995-22-0[22] Die Studie basierte dabei auf dem Betriebsprogramm fĂźr das Jahr 2010, das von rund 30 Zugfahrten im Hauptbahnhof zur Spitzenstunde ausging. Zahlreiche Infrastruktur-Varianten wurden im Rahmen der Machbarkeitsstudie verworfen oder nur noch als Option vorgesehen.cite-ref-db-1995b-5-23-0[23]
Das Vorprojekt untersuchte das Konzept technisch und wirtschaftlich weiter, einschlieĂlich eines geologischen und hydrologischen Erkundungsprogramms. Nach Bahnangaben sei die Wirtschaftlichkeit des Projekts bestätigt worden.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-59-24-0[24] Die Ergebnisse des Vorprojekts wurden im November 1995 vorgelegt. Die Zugkapazität der Station fĂźr Fernverkehr sollte demnach um 50 % erhĂśht werden, fĂźr Nahverkehr um 80 %. Städtebaulich sollten etwa 1,3 Millionen Quadratmeter Geschossflächen (fĂźr 11.000 Einwohner und 24.000 Beschäftigte) entstehen. Der Nutzen-Kosten-Faktor lag bei 2,6.cite-ref-sz-1996-88-900-25-0[25]
Am 7. November 1995 schlossen Bund, Land, Stadt, Regionalverband und Deutsche Bahn AG eine Rahmenvereinbarung zur Entwicklung und FÜrderung des Projekts.cite-ref-ds-14-4382-26-0[26]cite-ref-ei-1996-5-8-27-0[27] Sie wurde später bei vertieften Planungen modifiziert und konkretisiert.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-59-24-1[24]
Projektgegner kritisierten, dass kaum Alternativen zu Stuttgart 21 geprĂźft worden seien. 1996 legte Umkehr Stuttgart, ein BĂźndnis von Umwelt- und Verkehrsverbänden, mit dem Konzept Das bessere Stuttgart 21 einen Vorschlag vor, den Stuttgarter Hauptbahnhof ohne die Notwendigkeit von TunnelrĂśhren und mit besseren MĂśglichkeiten fĂźr einen integralen Taktfahrplan umzubauen. Der Verkehrsclub Deutschland entwickelte mit âUmkehr Stuttgartâ und der BĂźrgerinitiative âLeben in Stuttgart â Kein Stuttgart 21â das alternative Konzept Kopfbahnhof 21 (âK 21â), das den Umbau der bestehenden Anlagen unter Beibehaltung des 17-gleisigen Kopfbahnhofs vorsah.cite-ref-schiene-2007-2-20-28-0[28]
Raumordnung, Realisierungsdiskussion und Planfeststellung
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Hauptartikel
:
Raumordnung, Planfeststellung und Realisierungsdiskussion im Artikel
Geschichte von Stuttgart 21
Am 6. Dezember 1996 wurde das Raumordnungsverfahren fĂźr den Bahnknoten und die Neubaustrecke nach Wendlingen beantragt. Die Unterlagen einschlieĂlich der Umweltverträglichkeitsuntersuchung wurden vom 7. Januar 1997 bis 6. Februar 1997 in den betroffenen Gemeinden ausgelegt. Es gingen 13.700 Einwendungen beim Regierungspräsidium Stuttgart ein. Das Raumordnungsverfahren wurde im September 1997 abgeschlossen und das Projekt nach verschiedenen Veränderungen und neuen MaĂgaben fĂźr raumverträglich erklärt.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-59-24-2[24] AnschlieĂend wurde das Planfeststellungsverfahren mit der Festlegung des Untersuchungsrahmens fĂźr die Umweltverträglichkeitsstudie aufgenommen.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-3-29-0[29] Ein europaweiter Architektenwettbewerb fĂźr die Neugestaltung des Hauptbahnhofs im gleichen Jahr prämierte einstimmig den Entwurf von Christoph Ingenhoven.cite-ref-tf-2005-56-30-0[30] Ebenfalls 1997 begann die Konzeption des Betriebsprogramms, auf Grundlage eines dafĂźr entwickelten und seither fortgeschriebenen MengengerĂźsts.cite-ref-db-2009-7-6-31-0[31]
Bahnchef Johannes Ludewig stoppte 1999 das Projekt. Zur BegrĂźndung sagte er 2011, Stuttgart 21 sei âschlicht zu groĂ und fĂźr die Bahn zu teuerâ gewesen.cite-ref-stn-2009-03-31-5-32-0[32]cite-ref-sz-1999-06-26-33-0[33] Nach einer Neubewertungcite-ref-eri-1999-282-34-0[34] erklärte die DB, sie sehe keine MĂśglichkeit, das Projekt einschlieĂlich der Neubaustrecke âauf einen Schlagâ zu realisieren. Das Projekt sollte jedoch grundsätzlich weiter verfolgt werden.cite-ref-sz-1999-153-5-35-0[35] Das Projekt sollte dabei den Sparzwängen des Bundes zum Opfer fallen.cite-ref-eri-1999-401-36-0[36] Die Bundesländer Baden-WĂźrttemberg und Bayern Ăźbten dagegen 1999 zunehmenden Druck auf die Bundesregierung aus, das Projekt doch zu realisieren. Im November 1999 boten Land, Stadt, Regionalverband und Flughafen Stuttgart an, sich mit 1,3 Milliarden D-Mark an dem Projekt zu beteiligen.cite-ref-sz-1999-267-l14-37-0[37] Der Vorstand der DB empfahl dem Aufsichtsrat am 1. Dezember 1999, das Projekt weiterzuverfolgen.cite-ref-sz-1999-11-29-38-0[38] Im Dezember 1999 wurde im Rahmen der Strategie Netz 21 ein Vorplanungsauftrag erteilt.cite-ref-regpst-2006-6-39-0[39] Die Planung fĂźr das Projekt wurde im Jahr 2000 vorĂźbergehend gestoppt.cite-ref-regpst-2006-14-40-0[40] Sah der bis mindestens Mitte 1999 gĂźltige Zeitplan einen Baubeginn im Jahr 2001 und eine Inbetriebnahme im Jahr 2008 vor,cite-ref-sz-1996-88-900-25-1[25]cite-ref-sz-1999-153-5-35-1[35]cite-ref-sz-1997-257-14-41-0[41] so verschob sich der Baubeginn in der Folgezeit mehrfach.
Nachdem sich Bund und die Länder Baden-Wßrttemberg und Bayern (fßr Neu-Ulm 21) auf eine Vorfinanzierung geeinigt hatten, genehmigte der Aufsichtsrat der DB am 14. März 2001 das Projekt. Damit wurde der Weg fßr die Einreichung der Planfeststellungsunterlagen geebnet, die bis Ende 2003 abgeschlossen werden sollten.cite-ref-eri-2001-148-42-0[42] Am 31. Oktober 2001 wurde das erste Planfeststellungsverfahren fßr Stuttgart 21 beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) erÜffnet,cite-ref-tf-2005-50-43-0[43] erste Beschlßsse erfolgten 2005 und 2006.
Die Landeshauptstadt Stuttgart erwarb am 21. Dezember 2001 nahezu die gesamten durch Stuttgart 21 freiwerdenden Flächen (Gebiete A2, A3, B, C und D) mit einem Gesamtumfang von 109 Hektar fßr 897,7 Millionen DM (459 Millionen Euro) von der Deutschen Bahn.cite-ref-stz-2001-12-22-44-0[44]
Das Projekt wurde nach dem Raumordnungsverfahren von der Vorhabenträgerin in acht Planfeststellungsabschnitte aufgeteilt. Nach der vollständigen Inbetriebnahme des neuen Bahnknotens sollen die dann nicht mehr benÜtigten Gleisflächen geräumt werden, wozu entweder noch ein Planfeststellungsverfahren oder Freistellung von Bahnbetriebszwecken notwendig ist.cite-ref-stz-2011-08-30-45-0[45]
Projektbeschluss
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Hauptartikel
:
Projektbeschluss im Artikel
Geschichte von Stuttgart 21
Im Oktober 2006 nahm der Landtag von Baden-WĂźrttemberg einen EntschlieĂungsantrag der Fraktionen der CDU, SPD und FDPcite-ref-landtag-20090928-46-0[46] zur Realisierung von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke WendlingenâUlm an.cite-ref-47[47] Der Landtag beschloss mit 115 zu 15 Stimmen (gegen die Stimmen der Fraktion der GrĂźnen),cite-ref-48[48] dass Stuttgart 21 âden Herausforderungen an eine langfristig leistungsfähige Schienenverkehrsinfrastruktur auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten am besten gerechtâ werde und âverkehrs- und umweltpolitisch sinnvollâ, fĂźr die Platzierung des Landes in Europa besonders bedeutsam und âaus struktur- und landespolitischen GrĂźnden sinnvollâ sei.cite-ref-landtag-20090928-46-1[46]
Der Bund, das Land Baden-Wßrttemberg, die Bahn und die Stadt Stuttgart einigten sich am 19. Juli 2007 ßber die Aufteilung der Kosten und des Baukostenrisikos.cite-ref-spiegel-2007-07-19-49-0[49] Am 2. April 2009 unterzeichneten Ministerpräsident Gßnther Oettinger, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und DB-Vorstandsmitglied Stefan Garber die Finanzierungsvereinbarungen.cite-ref-50[50]cite-ref-stn-2009-04-02-51-0[51] Um die Wirtschaftlichkeit des Projektes Stuttgart 21 sicherzustellen, beinhaltete die Finanzierungsvereinbarung einen Vorbehalt. Wäre nach Abschluss der Entwurfsplanung, spätestens jedoch bis zum 31. Dezember 2009, eine ErhÜhung der fßr das Projekt aufzuwendenden Gesamtkosten ßber eine vereinbarte Risikosumme hinaus erwartet worden, so wären erneut Verhandlungen zwischen den Vertragspartner aufzunehmen gewesen.
Am 9. Dezember 2009 stimmte der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn der Aufnahme des Vorhabens in die Investitionsplanung des Unternehmens zu.cite-ref-db-2009-12-09-52-0[52] Am folgenden Tag stimmte auch der Lenkungskreis des Projekts der Fortfßhrung des Vorhabens zu.cite-ref-herz-2009-12-10-53-0[53] Am 16. Dezember 2009 empfahl der Verkehrsausschuss des Bundestages einen Antrag der Fraktion Bßndnis 90/Die Grßnen ßber ein Moratorium ßber das Bahnprojekt abzulehnen.cite-ref-bt17268-54-0[54]cite-ref-55[55] Am Folgetag wurde der Antrag empfehlungsgemäà in der Beratung im Plenum abgelehnt.cite-ref-bt17268-54-1[54] Die Proteste gegen das Projekt wuchsen an, kritisiert wurde unter anderem die fehlende Mitbestimmung der Bßrger.
Baubeginn
Am 2. Februar 2010 wurde der symbolische Baubeginn gefeiert. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn RĂźdiger Grube, der baden-wĂźrttembergische Ministerpräsident GĂźnther Oettinger, der Stuttgarter OberbĂźrgermeister Wolfgang Schuster und weitere hoben symbolisch den Prellbock am Gleis 049 an.cite-ref-db-2010-1-56-0[56] Damit begann der Umbau des Kopfbahnhof-Gleisfeldes als vorbereitende MaĂnahme.cite-ref-eurail-2009-09-04-57-0[57]
Zwischen August und September 2010 erfolgte unter Protest der Abriss des denkmalgeschßtzten Nordflßgels des Bonatzbaus. Nach einem in Gewalt eskalierten, rechtswidrigen Polizeieinsatz am Vortag, folgte am frßhen Morgen des 1. Oktober 2010 unter Polizeischutz und unter Protesten mehrerer tausend Bßrger die Fällung der ersten Bäume im Mittleren Schlossgarten. Fßr die Schlichtung zu Stuttgart 21 Ende Oktober 2010 wurde kein Baustopp veranlasst.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]
Die S-Bahn-Rampe, ßber die S-Bahnen vom Gleisvorfeld in den Stammstreckentunnel gelangten, wurde ab 2010 durch mehrere Sperrungen auf den Bau des Tiefbahnhofs vorbereitet. Durch einen Planungsfehler kam es zwischen Ende Juni 2010 und Januar 2011 zu ungeplanten Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr.cite-ref-db-2011-01-04-60-0[60]cite-ref-sz-2010-06-29-61-0[61] Am 30. Juli 2011 wurden die Bauarbeiten fßr den Fildertunnel und den Tunnel Obertßrkheim mit einer Auftragssumme von mehr als 700 Millionen Euro vergeben.cite-ref-fas-2011-30-62-0[62]
Volksabstimmung
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Hauptartikel
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Volksabstimmung zu Stuttgart 21
Bei der Landtagswahl in Baden-Wßrttemberg spielte 2011 auch Stuttgart 21 eine Rolle. Bßndnis 90/Die Grßnen erreichten nach der Wahl erstmals zusammen mit der SPD eine Mehrheit im Landtag. Sie vereinbarten in ihrem Koalitionsvertrag die Durchfßhrung einer Volksabstimmung ßber das Projekt Stuttgart 21.cite-ref-kv-2011-63-0[63] Diese wurde am 27. November des gleichen Jahres durchgefßhrt. Gegenstand der Fragestellung war, ob das Land KßndigungsmÜglichkeiten aus dem Finanzierungsvertrag nutzen und so aus dem Projekt aussteigen sollte.cite-ref-s21-volksabstimmung-64-0[64] 58,9 Prozent sprachen sich dagegen aus, dass die Landesregierung ihr Kßndigungsrecht zur AuflÜsung der vertraglichen Vereinbarungen mit Finanzierungspflichten des Landes bezßglich des Bahnprojekts Stuttgart 21 ausßbt, 41,1 Prozent dafßr.cite-ref-statbw-va-65-0[65] In Stuttgart stimmten 52,9 Prozent dagegen und 47,1 Prozent dafßr.cite-ref-66[66] Das Ergebnis der Volksabstimmung wurde vielfach als Legitimation fßr das Projekt verstanden, die Intensität des Protests nahm in der Folge ab.cite-ref-67[67]
Bau
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Hauptartikel
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Bau im Artikel
Geschichte von Stuttgart 21
Im Januar 2012 folgte bis Juli 2012 der Abriss des SĂźdflĂźgels des Bonatzbaus.cite-ref-68[68]
Am 12. März 2012 wurden die Bauaufträge fßr den Hauptbahnhof, den Tunnel Bad Cannstatt und den Tunnel Feuerbach im Gesamtumfang von rund 800 Millionen Euro vergeben. Damit waren nach damaligen DB-Angaben 50 Prozent des gesamten Bauvolumens und 90 Prozent der Tunnelbauwerke fßr Stuttgart 21 vergeben.cite-ref-db-2012-03-12-69-0[69]
Von April 2012 bis Oktober 2013 wurde das Technikgebäude am Nordausgang im Rohbau errichtet, dieses soll bei der ErĂśffnung als elektronisches Stellwerk dienen.cite-ref-70[70]cite-ref-stz-2013-10-21-71-0[71] Zwischen 2012 und 2015 wurde mit der EisenbahnĂźberfĂźhrung Sulzbachtal das mit 365 m längste BrĂźckenbauwerk von Stuttgart 21 errichtet. Im Laufe des Jahres 2013cite-ref-72[72]cite-ref-baumassnahmen2013-14-73-0[73] begannen die HauptmaĂnahmen an allen Tunnelbauwerken auf Stuttgarter Gemarkung mit Zwischenangriffen (Tunnel ObertĂźrkheim, Tunnel Bad Cannstatt und Tunnel Feuerbach) und dem Bau der Startbaugrube (Fildertunnel). Am 4. Dezember 2013cite-ref-stz-2013-12-04-74-0[74] wurde mit dem Tunnel ObertĂźrkheim der erste Tunnel des Projekts Stuttgart 21 angestochen.
Damit der Tiefbahnhof gebaut werden konnte, wurde das Betriebskonzept fĂźr den bestehenden Kopfbahnhof angepasst. Um Platz fĂźr die Baugrube zu machen, begann am 27. Mai 2013 die Vorverlegung der Bahnsteige um 120 m in Richtung Gleisvorfeld.cite-ref-stn-2013-05-27-75-0[75] Mit der Inbetriebnahme des verlegten Querbahnsteigs am 21. Oktober 2013 wurde der Umbau des Gleisvorfeldes abgeschlossen.cite-ref-eurail-2009-09-04-57-1[57]cite-ref-stz-2013-10-21-71-1[71] Die Tiefbauarbeiten fĂźr den Trog des Tiefbahnhofs begannen am 5. August 2014 im Mittleren Schlossgarten.cite-ref-stz-2014-178-19-76-0[76]
Von Juli 2015 bis Oktober 2020 entstand der NesenbachdĂźker unterhalb des Tiefbahnhofs.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78]
Da sich die Zulauftunnel des Tiefbahnhofs räumlich mit den Tunneln der Stadtbahn Ăźberschnitten, errichteten die SSB drei neue Stadtbahntunnel in veränderter Lage. Ohne nennenswerte Sperrungen ging die erste TunnelrĂśhre parallel zur Heilbronner StraĂe im November 2016 in Betrieb, die zweite folgte April 2017.cite-ref-79[79] Nach anderthalb Jahren Sperrung (2016â2017) ging der Tunnel Staatsgalerie â Charlottenplatz in Betrieb. Nach sechsjähriger Sperrung (2017â2023) wurde der Abschnitt Staatsgalerie â Hauptbahnhof wiedererĂśffnet. Im September 2020 wurde bereits die ebenfalls von Ingenhoven Architekten entworfene Station Staatsgalerie in Betrieb genommen.cite-ref-80[80]
Im Dezember 2016 feierte die Bahn den ersten Tunneldurchschlag nach Bad Cannstatt.cite-ref-81[81] März 2017 folgte der erste Durchschlag im Tunnel ObertĂźrkheim,cite-ref-82[82] ein Jahr später im Tunnel Feuerbach.cite-ref-83[83] Februar 2020 folgte der Durchschlag im Fildertunnel.cite-ref-84[84] Anfang September 2018 wurden die Vortriebsarbeiten fĂźr die beiden TunnelrĂśhren nach ObertĂźrkheim aufgrund groĂer Mengen eindringenden Grundwassers (ca. 30 Liter pro Sekunde) unterbrochen. In der Folge wurde ein geändertes Vortriebsverfahren angewandt, das neue Genehmigungen seitens des Eisenbahn-Bundesamtes erforderte.cite-ref-85[85] Juni 2021 wurden die ersten von insgesamt 1200 Oberleitungsmasten montiert.cite-ref-86[86]
Im Juni 2023 wurde die letzte der 28 Kelchstßtzen im Tiefbahnhof betoniert.cite-ref-87[87] Im September 2023 teilte die Bahn mit, dass die gesamten 56 km Tunnel des Projekts vorangetrieben waren.cite-ref-88[88] Im Stuttgarter Stadtgebiet waren mehr als 3000 Grundstßcke von dem Vorhaben betroffen.cite-ref-stz-2015-161-21-89-0[89] Es wurden rund 8 Millionen m³ Aushub und Abraum abtransportiert; rund 1,5 Millionen m³ Beton wurden antransportiert und verbaut, davon jeweils etwa die Hälfte im innerstädtischen Bereich. Während des Baus waren Grundwasserentnahmen erforderlich, vor allem fßr die im Talbereich liegenden Planfeststellungsabschnitte.cite-ref-tunnel-2009-7-12-90-0[90] Mit Stand Juni 2015 wurden wasserrechtliche Erlaubnisse fßr insgesamt rund 24 Millionen m³ erteilt.
Verursachte Schäden
Durch die Tunnelbohrungen unter dem Kernerviertel (Stuttgart-Mitte) kam es an zahlreichen Gebäuden zu Rissen, obwohl versucht wurde, den erwarteten Senkungen mit Hebungsinjektionen entgegenzuwirken. Der Zwischenbau zwischen dem Gebäude KernerstraĂe 30 und SchĂźtzenstraĂe 14 musste abgerissen werden. Auch auf Verkehrsflächen kam es zu zahlreichen Verwerfungen. Der Abstand zwischen Tunneloberkante und den Gebäudefundamenten beträgt in diesem Bereich teilweise weniger als 10 Meter.cite-ref-91[91]
Inbetriebnahme
| Bekanntgabe | Inbetriebnahmetermin |
|---|---|
| Mrz. 2009 [ 92 ] | Dez. 2019 |
| Mrz. 2012 [ 93 ] | Dez. 2020 |
| Feb. 2013 [ 94 ] | Dez. 2021 |
| Jan. 2018 [ 95 ] | Dez. 2025 |
| Mrz. 2024 [ 96 ] | schrittweise ab Dez. 2025 |
| Jun. 2024 [ 97 ] | Dez. 2026 |
| Jul. 2025 [ 98 ] | schrittweise ab Dez. 2026 |
| Nov. 2025 [ 99 ] | frĂźhestens 2027 |
Im Finanzierungsvertrag des Projekts wurde Ende März 2009 festgehalten:
âDie Vertragsparteien sind sich einig, dass die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm zeitgleich mit dem Projekt bis spätestens Dezember 2019 in Betrieb genommen werden soll.âcite-ref-4-92-1[92]
Dieser Termin wurde auch im Vorfeld der Volksabstimmung im November 2011 seitens der Deutschen Bahn kommuniziert. März 2012 gab die Deutsche Bahn die Verschiebung der Inbetriebnahme auf Dezember 2020 bekannt.cite-ref-stz-2012-4-21-93-1[93] Im Februar 2013 folgte die offizielle Verschiebung auf Dezember 2021.cite-ref-stz-2013-2-16-94-1[94] In der Lenkungskreis-Sitzung im Juli 2013 bezifferte die Deutsche Bahn die Wahrscheinlichkeit einer Inbetriebnahme Ende 2022 mit 80 Prozent.cite-ref-stz-2013-07-24-100-0[100] Dabei waren sämtliche Planungsprämissen im âBest Caseâ angenommen worden und zusätzliche Risiken aus der Planfeststellung nicht berĂźcksichtigt.cite-ref-stz-2013-219-19-101-0[101] Ende 2017 war von einem terminlichen âGegensteuerungsbedarfâ von bis zu zwei Jahren gegenĂźber Dezember 2021 die Rede.cite-ref-faz-2017-240-19-102-0[102] Anfang 2018 gab die Deutsche Bahn bekannt, dass mit einer Fertigstellung zum Fahrplanwechsel 2025 gerechnet werde.cite-ref-db-2018-01-26-95-1[95]cite-ref-103[103]cite-ref-104[104]cite-ref-105[105] Im März 2024 kĂźndigte die DB an, den Netzfahrplan fĂźr 2026 auf Basis der alten Infrastruktur zu erstellen. Zunächst war der Plan, die Inbetriebnahme des Bahnknotens in mehreren Stufen erfolgen zu lassen und weiterhin an einer Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs im Dezember 2025 festzuhalten.cite-ref-db-2024-03-22-96-1[96]cite-ref-spiegel-2024-03-02-106-0[106] Im Juni 2024 wurde eine Verschiebung der ErĂśffnung auf Dezember 2026 bekanntgegeben.cite-ref-ts24-97-1[97] Im Juli 2025 wurde nur noch eine TeilerĂśffnung 2026 anvisiert, der Kopfbahnhof sollte fĂźr den Ăźbrigen Regionalverkehr noch bis Juli 2027 genutzt werden.cite-ref-spon-20250718-98-1[98]cite-ref-107[107] Im November 2025 wurde eine ErĂśffnung 2026 schlieĂlich komplett abgesagt. Ein neuer ErĂśffnungstermin soll Mitte 2026 mitgeteilt werden.cite-ref-ts2025-99-1[99]
Nach den letzten Plänen sollten bis Ende 2025 alle Anlagen und Ausrßstungen, mit Ausnahme der Gäubahn-Anbindung ßber den Flughafen, stufenweise in den Testbetrieb gehen. Im Frßhjahr 2026 sollte der Rßckbau des Gäubahndamms beginnen, der nach Darstellung der Bahn fßr die neue S-Bahn-Anbindung notwendig sei.cite-ref-108[108]cite-ref-109[109] Nach einer im Juni 2024 verÜffentlichten Unterlage sollte ab Oktober 2025 ein Vorlaufbetrieb unter Verantwortung der Leit- und Sicherungstechnik erfolgen. Im Juli 2026 sollten der ßbrige Hauptbahnhof und die weitere Infrastruktur von Stuttgart 21 folgen.
Der Flughafenbahnhof soll frßhestens 2027 kommerziell in Betrieb genommen werden.cite-ref-db-2024-06-11-110-0[110]cite-ref-db-2025-07-18-111-0[111] Die Fßhrung der Gäubahn ßber den Flughafen soll mehrere Jahre später in Betrieb genommen werden. Die Fern- und Regionalverkehrsanbindung ßber Bad Cannstatt erfordert einen mehrmonatigen Umbau des Bahnhofs Bad Cannstatt, die nach Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs erfolgen sollte.
Projektsteuerung
Von 1996 bis 2001 war die DB-Tochter DBProjekt GmbH Stuttgart 21 mit der Planung beauftragt, anschlieĂend kurzzeitig die DB Projekte SĂźd GmbH, die schlieĂlich 2003 in der DB ProjektBau GmbH aufging. Zum 1. September 2013 Ăźbernahm die neu gegrĂźndete DB Projekt StuttgartâUlm GmbH die Projektsteuerung. Bisherige Gesamtprojektleiter waren Hans Sommer/Reimar Baur, Peter Marquart, Hany Azer, Stefan Penn und Manfred Leger. Seit 1. Juli 2020 Ăźbt Olaf Drescher diese Funktion aus. Seit 2008 tritt halbjährlich ein Lenkungskreis der Projektpartner zusammen.cite-ref-stn-2020-239-3-112-0[112]
Diskussion
ProjektbefĂźrworter und Projektgegner stimmten darĂźber ein, dass der Stuttgarter Bahnknoten modernisiert werden mĂźsse. Beide Gruppen wollten zudem eine Steigerung der Leistungsfähigkeit erreichen und stellten dazu Konzepte vor. FĂźr ProjektbefĂźrworter standen durch das Projekt Stuttgart 21 die umfangreichen MĂśglichkeiten der Stadtentwicklung im Vordergrund, Projektgegner sprachen daher auch von einem âImmobilienprojektâ. Das Verkehrskonzept sollte zudem wirtschaftliche und gesellschaftliche MĂśglichkeiten schaffen durch bessere Hochgeschwindigkeitsverbindungen und kĂźrzeren Fahrzeiten, die zu einem Anwuchs der Reisendenzahlen fĂźhren sollten.cite-ref-ei-1996-5-8-27-1[27] Projektgegner hielten das Projekt fĂźr betriebsschädlich, nicht bahnkundenfreundlich, umweltbelastend und Ăźberteuert. Sie bemängelten Eingriffe in Umwelt, Grundwasser, Denkmäler sowie privates Eigentum und befĂźrchteten eine Beeinträchtigung der Mineralwasservorkommen. Ferner seien zahlreiche weitere Bahnprojekte in Baden-WĂźrttemberg (darunter der Ausbau der Gäubahn und der Rheintalbahn sowie die Elektrifizierung der SĂźdbahn) durch das Projekt blockiert worden, da sich die Landesregierung auf Stuttgart 21 konzentrierte. Auch wurden Mittel aus der Streichung von Regionalverkehren (2007) in das Projekt gelenkt. Der Reisezeitvorteil des Durchgangsbahnhofs sei fĂźr den GroĂteil der Reisenden im Vergleich zur Alternative Kopfbahnhof 21 nicht vorhanden, insbesondere wenn der Regionalverkehr als Wendezug im Tiefbahnhof verkehre.cite-ref-schiene-2007-2-20-28-1[28] Im Gegensatz zur Neubaustrecke, lieĂe sich durch den Durchgangsbahnhof keine signifikante FahrzeitverkĂźrzung erreichen.cite-ref-sz-2006-199-6-113-0[113]
Die Projektgegner bezweifeln, dass mit Stuttgart 21 das zukĂźnftig nĂśtige Verkehrswachstum bewältigt werden kann. Das Zugangebot soll durch Stuttgart 21 laut Planfeststellung um 30 % gesteigert werden.cite-ref-pfa1-3-erl-2011-114-0[114] Gegner des Projekts argumentierten, dass der bestehende Kopfbahnhof 1970 in der Spitzenstunde aber bereits 45 ZĂźge abfertigte; 1996 seien im Kopfbahnhof 38 ZĂźge und 2011 39 ZĂźge in der Spitzenstunde gefahren.cite-ref-115[115]cite-ref-engelhardt-2014-09-29-116-0[116] Sie sehen daher in dem Projekt Stuttgart 21 eine Reduzierung der Bahnhofskapazität unter den aktuellen Bedarf und die Schaffung eines Engpasses im Netz.cite-ref-117[117]cite-ref-118[118] Das Thema war Gegenstand der Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-WĂźrttemberg (VGH) zur Enteignung eines Anwohners.cite-ref-vgh-2006-04-06-119-0[119]cite-ref-vgh-2012-08-13-120-0[120] Hier wurde im Juli 2014 geurteilt, dass die Kapazität von Stuttgart 21 bei 32 ZĂźgen pro Stunde liege, was aber keine âneue Tatsacheâ sei und daher keine Revision der VGH-Entscheidung von 2006 rechtfertige.cite-ref-121[121] Eine SMA-Studie aus dem Jahr 2023 unterstellte, dass der Hauptbahnhof in Verbindung mit dem Digitalen Knoten Stuttgart (DKS) 59,5 ZĂźge pro Stunde bewältigen kann.cite-ref-122[122]
Auch die Kostenprognosen der Bahn wurden laufend kritisiert.cite-ref-sz-2006-246-5-123-0[123] Die Projektkosten von 4.088 Mio. Euro zur Zeit des Finanzierungsvertrags seien âschĂśngerechnetâ gewesen, die Bahn habe internes Wissen von hĂśheren Baukosten unterschlagen.cite-ref-124[124] Drei Jahre nach Baubeginn wies Anton Hofreiter (GrĂźne) darauf hin, dass DB-Experten intern bereits mit Kosten von 11 Milliarden Euro rechneten.cite-ref-125[125] Ein darauf aufbauendes BĂźrgerbegehren scheiterte 2015 am Stuttgarter Gemeinderat.cite-ref-storno21-126-0[126]cite-ref-127[127] Seit 2013 wird vor Gericht eine Strafanzeige in dieser Sache gegen den Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG verhandelt.cite-ref-128[128] Eine Beschwerde gegen die Nicht-Aufnahme entsprechender Ermittlungen ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin anhängig,cite-ref-129[129] zu der der Strafrechtsprofessor Felix Herzog in einem Gutachten Anhaltspunkte âfĂźr ein wirtschaftskriminelles Geschehenâ und eine Pflicht zur Aufklärung bestätigte.cite-ref-130[130]cite-ref-131[131]
Vielfach wurde der Umgang mit der Kritik am Projekt kritisiert. Ein Schlichtungsverfahren mit Projektgegnern fand erst Ende 2010 nach Baubeginn, nach einem eskalierten Polizeieinsatz statt. Der fĂźr das Projekt Neu- und Ausbaustrecke StuttgartâAugsburg zuständige Planer Ernst Krittian kritisierte bereits Anfang der 1990er Jahre, dass Kritik am Konzept Stuttgart 21 nicht geduldet worden sei. Nachdem er das Projekt Stuttgart 21 kritisiert habe, sei ihm die Zuständigkeit entzogen worden. Eine âStuttgarter Connectionâ habe das Projekt durchgedrĂźckt, der politische Beschluss sei ânach Gutsherrenmanierâ gefallen.cite-ref-stz-2010-10-21-132-0[132] Projektgegner warfen den projektverantwortlichen Politikern zudem Verflechtungen mit den beauftragten Unternehmen vor.cite-ref-schiene-2007-2-20-28-2[28] So wechselte der damalige Bahnchef RĂźdiger Grube 2018 in den Aufsichtsrat des Tunnelmaschinen-Herstellers Herrenknecht.cite-ref-3-133-0[133] Die Lebensgefährtin von Oettinger war im Vorstand der Stiftung Lebendige Stadt, welche mit ECE das Einkaufszentrum Milaneo auf ehemaligen Gleisflächen realisierte.cite-ref-hb-2670355-134-0[134]
Projektgegner befĂźrchteten, dass der Wert der Stadtentwicklungsflächen zu hoch prognostiziert worden war. 1996 wurde beispielsweise bemängelt, dass der geplante ErlĂśs von 2,2 Milliarden D-Mark fĂźr 56 Hektar Nettobauland (entsprechend rund 4000 D-Mark je Quadratmeter) viel zu hoch angesetzt worden sei.cite-ref-sz-1996-192-11-135-0[135] Kritisiert wurde zudem die 2001 erfolgte Vergabe eines Zehn-Jahres-Vertrages fĂźr Regionalverkehr an die Deutsche Bahn ohne Ausschreibung. Laut DB-Angaben rechnete sich Stuttgart 21 ohne langfristige Nahverkehrsverträge nicht.cite-ref-sz-2001-110-24-136-0[136] Der Wettbewerbsrechtler Clemens Antweiler hielt diese Direktvergabe sowie die darĂźber hinaus gewährten Zahlungen fĂźr eine versteckte Subvention der Deutschen Bahn. Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-WĂźrttemberg räumte ein, dass in der Auftragssumme ein âgewisser Betragâ fĂźr Stuttgart enthalten sei.cite-ref-spiegel-2010-33-38-137-0[137] Im Anschluss an den bis 2016cite-ref-spiegel-2010-33-38-137-1[137] laufenden Verkehrsvertrag sollen, bis zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21, Teilstrecken weiterhin ohne Ausschreibung an die Deutsche Bahn vergeben werden. Die GrĂźnen gingen davon aus, dass so bis 2025 mehr als 100 Millionen Euro mehr ausgegeben werden als unter Wettbewerb.cite-ref-bgn-2007-07-06-138-0[138]
Am 11. Juni 2018 befasste sich der Verkehrsausschuss des Bundestags in einer Ăśffentlichen ExpertenanhĂśrung Ăźber Stuttgart 21. BefĂźrworter der Deutschen Bahn forderten den Weiterbau während Projektgegner Hannes Rockenbauch das kostengĂźnstigere Umbaukonzept âUmstieg 21â forderte. Die Linksfraktion beantragte einen sofortigen Baustopp, die RĂźcknahme laufender Klagen und die Einfrierung aller Bundesmittel bis zur Vorlage eines Alternativplans.cite-ref-139[139]cite-ref-140[140]
Durch das Projekt sollten nach Angaben der Bahn 10.000 neue Dauerarbeitsplätze in Baden-Wßrttemberg entstehen, davon etwa 4.200cite-ref-db-2007-07-19-4-3[4] in Stuttgart. Fßr die Zeit der Bauarbeiten sollten bis zu 7.000 Arbeitsplätze entstehen. Das IMU Institut kam dagegen auf 2.500 zusätzliche Arbeitsplätze.cite-ref-141[141]
Verkehrskonzept
Ein Ziel des Projekts ist laut Angaben der Projektpartner eine Verbesserung des Personenverkehrsangebots durch eine ErhĂśhung der Kapazität, ein dichteres Netz im Regionalverkehr und kĂźrzere Fahrzeiten. Stuttgart 21 soll zu Angebotssteigerungen und FahrzeitverkĂźrzungen im Fern- und Regionalverkehr fĂźhren und den Flughafen Stuttgart besser anbinden. Ein wesentliches Ziel des Projektes ist eine schnell befahrbare VerknĂźpfung der bestehenden Strecke MannheimâStuttgart mit der Schnellfahrstrecke WendlingenâUlm. Auf allen Regionalverkehrsrelationen soll es FahrzeitverkĂźrzungen geben.cite-ref-bwi-2009-04-142-0[142] Der Flughafen Stuttgart und die Neue Landesmesse werden unmittelbar an die geplante Neubaustrecke angeschlossen.cite-ref-143[143] Die Fahrzeit vom Hauptbahnhof zum Flughafenbahnhof soll zukĂźnftig acht Minuten betragen.cite-ref-db-2007-05-5-1[5] Ăber die neue S-Bahn-Station MittnachtstraĂe soll auĂerdem das geplante Rosensteinviertel erschlossencite-ref-db-2007-05-5-2[5] und die Reisezeit im Tangentialverkehr zwischen Bad Cannstatt und Feuerbach verbessert werden.cite-ref-regpst-2006-6-39-1[39]
GegenĂźber dem Fahrplan von 2001 gehen die dem Planfeststellungsverfahren zu Grunde liegenden Verkehrsprognosen fĂźr das Jahr 2015 von einer ErhĂśhung der Zugzahlen am Hauptbahnhof um 75 % im Fern- sowie um 56 % im Regionalverkehr aus.cite-ref-pfa1-1-1-erl-1-27-144-0[144] Erwartet werden demnach 434 Fernverkehrs- und 418 RegionalverkehrszĂźge pro Tag.cite-ref-pfa1-1-1-28-akt-1-145-0[145]
Im Juli 2007 begann die Konzeption der Nahverkehrsgesellschaft Baden-WĂźrttemberg (NVBW) fĂźr die Jahre ab 2020. Die Angebotskonzeption 2020 basiert auf den Annahmen des Betriebsszenarios des Bundesverkehrswegeplans 2003 und der Planfeststellung des Projekts Stuttgart 21 und geht von der Realisierung zahlreicher weiterer Projekte (Ausbau Rheintalbahn, Elektrifizierung der SĂźdbahn u. a.) aus.cite-ref-bwi-2009-04-142-1[142] Im Rahmen des Konzepts war geplant, die in Baden-WĂźrttemberg gefahrenen Zugkilometer auf bis zu 86 Millionen Zugkilometer auszuweiten (2012: rund 65,5 Millionen Zugkilometer). Neben dieser Steigerung um 31 Prozent war eine Option mit 40 Prozent Leistungssteigerung geplant. Diese rein durch Wettbewerbsgewinne erwartete Ausweitung habe sich als nicht finanzierbar erwiesen (Stand: 2012).cite-ref-lt-bw-15-2590-146-0[146] Das Verkehrsangebot soll stattdessen um 15 bis 20 Prozent ausgeweitet werden.cite-ref-iv-65-32-147-0[147]
Der 1996 geschlossene Vertrag von Lugano verpflichtet Deutschland und die Schweiz, die Reisezeit zwischen Zßrich und Stuttgart auf maximal zweieinviertel Stunden zu begrenzen. Dieses Ziel wurde als Planungsparameter fßr die Gäubahn-Anbindung von Stuttgart 21 berßcksichtigt.cite-ref-148[148]cite-ref-149[149]cite-ref-sw-2013-04-02-150-0[150]
Eine vergleichende Reisezeitanalyse zwischen den Planungsständen (Netzgrafik) fßr Stuttgart 21 und einer von K21-Befßrwortern vorgelegten Netzgrafik fßr Kopfbahnhof 21 wurde im Auftrag der damaligen Landesregierung im November 2010 angefertigt.cite-ref-sma-reisezeit-2010-151-0[151] Dabei wurden 38.220 Relationen zwischen 196 BahnhÜfen in Baden-Wßrttemberg ausgewertet, fßr beide Konzepte unterschiedliche weitere Infrastrukturausbauten angenommen und die Reisezeiten mit den Reisendenzahlen von 2007 gewichtet. Bei Stuttgart 21 wären 19 % der Reisenden wenigstens zwei Minuten schneller unterwegs, 13 % wenigstens zwei Minuten länger und knapp 70 % etwa gleich lang. Bei Kopfbahnhof 21 wären etwa 13 % der Reisenden kßrzer, 6 % länger und 80 % etwa unverändert lange unterwegs.cite-ref-sma-reisezeit-2010-151-1[151]
Die 2011 gegrßndete und 2018 aufgelÜstecite-ref-152[152] Stuttgarter Netz AG entwarf ein Konzept, den Kopfbahnhof auch nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 zu erhalten und ihn teilweise mittels eines Stilllegungsverfahrens nach § 11 Allgemeines Eisenbahngesetz von der DB Netz AG zu ßbernehmen. Namhafte Eisenbahnunternehmen hätten ein Interesse daran, den Kopfbahnhof weiterhin anzufahren.cite-ref-153[153] Der Tiefbahnhof sei nur schwer erweiterbar und daher fßr zusätzliche Verkehre nicht ausreichend.cite-ref-154[154] Da ein Stilllegungsverfahren vor dem Rßckbau des Kopfbahnhofs nicht vorgesehen war, wurde die Durchfßhrung eines solchen von der Stuttgarter Netz AG eingeklagt. Die gegen das Eisenbahn-Bundesamt gerichtete Klage wurde letztinstanzlich im Juli 2018 vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen. Der Kopfbahnhof mßsse nicht fßr Dritte nutzbar bleiben, da dessen verkehrliche Funktion auch nach dessen Umbau vollständig erhalten bleibe. Somit entfalle die Grundlage fßr ein Stilllegungsverfahren.cite-ref-155[155]
Bahnbetrieb
Der Planrechtfertigung des Vorhabens lag das Betriebsprogramm 2010+x zu Grunde, das später weiterentwickelt wurde. Laut einem 1997 angefertigten Gutachten kann der Durchgangsbahnhof das dabei zu Grunde gelegte Betriebsprogramm mit durchschnittlich 25,5 Gleisbelegungen je Stunde bewältigen. Darßber hinaus seien abgestimmte Betriebsprogramme mit 32 bis 35 Gleisbelegungen je Stunde mÜglich. Eine Belegung des Durchgangsbahnhofs mit 39 Gleisbelegungen je Stunde sei mÜglich, wobei die Nennleistung des Streckenabschnitt zwischen Stuttgart-Zuffenhausen und dem Hauptbahnhof um vier Zßge ßberschritten wßrde.cite-ref-pfa-1-1-1-156-0[156]
Insbesondere die Leistungsfähigkeit des Hauptbahnhofs ist umstritten.cite-ref-ei-2024-06-10-157-0[157] Ein Gutachten durch die Universität Stuttgart ermittelte auf Basis eines fĂźr S21 entwickelten Betriebsprogrammes einen optimalen Leistungsbereich des Durchgangsbahnhofs von 42 bis 51 ZĂźgen pro Stunde. FĂźr eine Variante eines ausgebauten Kopfbahnhofs (Kopfbahnhof 21, K21) wurden dagegen 28 bis 38 ZĂźge je Stunde bestimmt. Die maximale Leistungsfähigkeit liege bei 72 ZĂźgen im Durchgangsbahnhof bzw. 43 ZĂźgen pro Stunde in der betrachteten K21-Variante. Ein fĂźr K21 optimiertes Betriebsprogramm oder das real auf dem Kopfbahnhof gefahrene Betriebsprogramm wurden nicht untersucht. Bei einem integralen Taktplan sei mit einer geringeren Leistungsfähigkeit zu rechnen, da die Zugfahrten durch die Taktung weniger gleichmäĂig verteilt seien.cite-ref-diskurs-2007-2287-158-0[158] Einfahrten in den umgebauten Hauptbahnhof seien mit 60 km/h bis 100 km/h statt bislang 30 km/h mĂśglich.cite-ref-db-2009-7-6-31-1[31] Im Rahmen einer als âStresstestâ bezeichneten und in Folge des Schlichterspruchs durchgefĂźhrten Eisenbahnbetriebssimulation wurde 2011 nachgewiesen, dass der geplante Hauptbahnhof zur Spitzenstunde (7 bis 8 Uhr) 49 ankommende ZĂźge in âwirtschaftlich optimaler Betriebsqualitätâ verarbeiten kĂśnne. Im Auftrag der Deutschen Bahn und des Landes Baden-WĂźrttemberg testierten SMA und Partner das Ergebnis. Die Methodik und Ergebnisse der Betriebssimulation sind umstritten.cite-ref-wikireal-159-0[159]cite-ref-ei-2024-06-10-157-1[157] Laut DB-Angaben von 2019 und 2024 kĂśnne mit dem DKS auf jedem der acht Bahnsteiggleise des Hauptbahnhofs im âS-Bahn-ähnlichen Hochleistungsbetriebâ alle fĂźnf Minuten und auf jedem der daran anschlieĂenden Streckengleise im Mittel alle zwei Minuten ein Zug fahren.cite-ref-db-2019-07-16-160-0[160]cite-ref-eik-2024-259-161-0[161]cite-ref-ei-2024-06-10-157-2[157]cite-ref-db-2024-10-21-162-0[162]
Im Gleisvorfeld des Kopfbahnhofs bestehen FahrstraĂenausschlĂźsse, die eine AusschĂśpfung der vorhandenen Kapazitäten verhindern. Diese seien nur mit erheblichen BaumaĂnahmen und Kosten zu beseitigen. Projektgegner bezweifeln diese Aussagen und Kosten und stellten mit dem Alternativprojekt Kopfbahnhof 21 ein Gegenkonzept vor, das eine Optimierung des Gleisvorfelds und die Ergänzung der Ăberwerfungsbauwerke zur kreuzungsfreien EinfĂźhrung der Linien in den Bahnhof vorsieht und unter den veranschlagten Kosten fĂźr Stuttgart 21 liegen soll. Auf Grund der Ringstruktur von Stuttgart 21 sollen Fahrtrichtungswechsel unnĂśtig werden und die von 225 auf 48 reduzierte Zahl der Weichen, die Feste Fahrbahn sowie weitere MaĂnahmen die Betriebskosten senken.
Zu betrieblichen Einschränkungen und Risiken, die sich aus der Längsneigung des Hauptbahnhofs (bis zu 25 Ⱐim Bahnhofs- und bis zu 15,1 Ⱐim Bahnsteigbereich) ergeben, sind DB, EBA und Kritiker unterschiedlicher Auffassung.
Kritiker bemängeln, das Projekt mache jedwede Perspektive zunichte, den Hauptbahnhof Stuttgart zu einem Vollknoten in einem integralen Taktfahrplan (ITF) auszubauen.cite-ref-schiene-2007-2-20-28-3[28] Nach Bahnangaben kĂśnne dagegen â auch mit wirtschaftlich vertretbaren Ausbauten â aufgrund begrenzter Zulaufkapazitäten kein sinnvoller ITF-Vollknoten errichtet werden. Eine starre Anwendung des ITF-Prinzips fĂźhre zu Bahnsteigaufenthalten von bis zu mehr als einer halben Stunde. Verkehrlich sinnvoll umgesetzt werden kĂśnne dagegen die Realisierung einer ITF-Zwischenstufe, bei der in der Hauptverkehrszeit ein Halbstundentakt im Regionalverkehr eingerichtet werden kĂśnne.cite-ref-pfa1-1-1-28-akt-28-163-0[163] Dabei soll u. a. der Regionalverkehr Ăźberwiegend als Durchmesserlinie durchgebunden werden.cite-ref-regpst-2006-6-39-2[39] Im Knoten Stuttgart sollten laut Angaben von 2009 Nahverkehrslinien idealerweise zu den Minuten 15 und 45 verkehren, Fernverkehrslinien zu den Minuten 00 und 30, um kurze und stabile AnschlĂźsse zu ermĂśglichen.cite-ref-bwi-2009-04-142-2[142] Dabei kĂśnnen die Umsteigetakte an den existierenden ITF-Taktknoten in Baden-WĂźrttemberg in vollem Umfang beibehalten werden.cite-ref-sma-2010-07-28-164-0[164] Nachdem im Juni 2019 der zweite Gutachterentwurf des Deutschlandtakts vorgestellt worden war, kam es zu einer weiteren Debatte.cite-ref-ei-2024-06-10-157-3[157] Ein Halbstundentakt in umliegende GroĂstädte wie Heidelberg, NĂźrnberg oder ZĂźrich sei aufgrund unzureichender Gleise im Hauptbahnhof sowie die Zahl der Zulaufstrecken nicht mĂśglich. Ebenso sei die vom Bundesverkehrsministerium inzwischen angestrebte Verdoppelung der Fahrgastzahlen nicht realisierbar.cite-ref-165[165] Verkehrsminister Hermann und weitere Verkehrsexperten wie Matthias Gastel oder der VCD sahen jedoch Bedarf fĂźr zusätzliche Infrastruktur.cite-ref-166[166] Daher schlug Hermann den Bau eines zusätzlichen unterirdischen Halts vor und richtete einen Arbeitskreis zur Erarbeitung sinnvoller Bausteine fĂźr eine Kapazitätserweiterung ein, an dem auch die Stadt und die Deutsche Bahn teilnehmen sollten.cite-ref-vm-2019-07-16-167-0[167]cite-ref-168[168] Der 2020 vorgelegte dritte Gutachterentwurf des Deutschlandtakts enthält ein weiterentwickeltes Konzept.cite-ref-ei-2024-06-10-157-4[157]
Im Juli 2010 gelangte eine Präsentation von SMA und Partner aus dem Jahr 2008 an die Ăffentlichkeit.cite-ref-kopfbahnhof-21-534-169-0[169] Das Unternehmen war 2008 durch die NVBW beauftragt worden, den integralen Taktfahrplan fĂźr Baden-WĂźrttemberg fĂźr das Jahr 2020 zu Ăźberarbeiten.cite-ref-sma-2010-07-28-164-1[164] Das BĂźro hatte dabei in einem mehrstufigen Prozess ein Fahrplankonzept auf Basis der Stuttgart-21-Infrastruktur entwickelt. Die Autoren kritisierten die hohe Belastung der eingleisigen Streckenabschnitte am Flughafen und an der Kleinen Wendlinger Kurve und weitere betriebliche Engpässe. So stĂźnden fĂźr den Fernverkehr nach Ulm unter dem Strich nur zwei Trassen pro Stunde und Richtung zur VerfĂźgung, im Zulauf zur Gäubahn seien fĂźr Fern- und Regionalverkehrs-Trassen aufgrund von S-Bahn-Zugfolgen Fahrzeitverlängerungen von im Mittel rund sieben Minuten erforderlich. Mehrere FahrstraĂenkonflikte im Hauptbahnhof lieĂen sich nicht auflĂśsen. Die Gestaltung des Fahrplans sei aufgrund der âknapp dimensionierte[n] Infrastruktur [âŚ] nur in sehr geringem MaĂe mĂśglichâ, das âGesamtsystem nur sehr schwer beherrschbarâ und zukĂźnftige Angebotsausweitungen nur sehr bedingt realisierbar.cite-ref-sma-2008-06-04-170-0[170] âAufgrund der Brisanz der vorliegenden Resultateâ wurde âabsolutes Stillschweigenâ vereinbart.cite-ref-sma-2008-akt-171-0[171] Das baden-wĂźrttembergische Verkehrsministerium wies Kritik daran zurĂźck.cite-ref-uvm-2010-07-29-172-0[172] SMA sei 2008 von der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft explizit damit beauftragt worden, Schwachstellen zu identifizieren.cite-ref-herz20100707-173-0[173] Auf Basis des Arbeitspapiers seien in der Folge LĂśsungen fĂźr die Probleme entwickelt worden.cite-ref-herz20100707-173-1[173] SMA bestätigte diese Darstellung und bezeichnete die Folien als âveralteten Planungsstandâ, zudem seien âEinzelaspekte isoliert dargestelltâ.cite-ref-sma-2010-07-28-164-2[164] Die geplante Infrastruktur sei im Hinblick auf das vorgesehene Betriebskonzept âknapp bemessen und nicht Ăźberdimensioniertâ, die Entwicklung des Fahrplankonzepts daher von besonderer Bedeutung. Der Tiefbahnhof Stuttgart sei kein limitierender Faktor, die Infrastruktur mĂźsse nicht zu Engpässen fĂźhren. FĂźr die S-Bahn und die Gäubahn gäbe es fahrplantechnisch keine Nachteile, ein ITF-Taktknoten sei realisierbar. Das Betriebskonzept sei inzwischen (Stand: Juli 2010) weiterentwickelt worden, die gewĂźnschten Verkehrsmengen fĂźhrten verschiedenorts zu âfahrplantechnisch anspruchsvollen Konstruktionenâ.cite-ref-sma-2010-07-28-164-3[164]
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisierte, dass âbei einem grĂśĂeren StĂśrungsfall bei der S-Bahn in der Hauptverkehrszeit im Innenstadttunnelâ zukĂźnftig der gesamte Schienenverkehr rund um Stuttgart beeinträchtigt sei, da der unterirdische Hauptbahnhof S-Bahn-ZĂźge nicht im gleichen Umfang wie der Kopfbahnhof aufnehmen kĂśnne.cite-ref-174[174] AuĂerdem kĂśnnten RegionalzĂźge die Ankunft von FernzĂźgen nicht mehr abwarten.cite-ref-175[175]cite-ref-176[176] Die Projektplaner halten dem entgegen, dass kĂźnftig insgesamt acht anschlieĂende Streckengleise zur VerfĂźgung stehen, während heute alle ZĂźge auf fĂźnf Gleisen Richtung Norden ein- und ausfahren. Durch den mĂśglichen Ringverkehr sei es besser mĂśglich, Abweichungen im Betriebsablauf auszugleichen und Verspätungen zu minimieren.
Eine Studie des BĂźros Vieregg und RĂśssler im Auftrag der Fraktion BĂźndnis 90/Die GrĂźnen im Stuttgarter Gemeinderat und des BUND kritisierte 2008, im Durchgangsbahnhof seien FahrstraĂenkonflikte nicht auszuschlieĂen.cite-ref-vr-2008-08-177-0[177] Laut SMA gibt es âsehr wenigeâ FahrstraĂenausschlĂźsse.cite-ref-sma-2010-07-28-164-4[164] Durch die Stilllegung der Gäubahn entfalle Vieregg und RĂśssler zufolge die MĂśglichkeit, S-Bahn-ZĂźge bei StĂśrungen im S-Bahn-Tunnel Ăźber diese Strecke umzuleiten. Nachteilig sei auch die entfallende MĂśglichkeit, S-Bahn-Gleise nach Feuerbach und Bad Cannstatt fĂźr RegionalzĂźge zu nutzen.cite-ref-vr-2008-08-177-1[177] Dem gegenĂźber stehen nach Bahnangaben neue Verbindungen, statt Ăźber die Gäubahn kĂśnnen S-Bahn-ZĂźge zum Beispiel Ăźber den Flughafen umgeleitet werden.cite-ref-178[178]
Im Projekt sollte ETCS Baseline 3cite-ref-db-netz-2014-04-179-0[179] mit ortsfesten Signalen eingesetzt werden.cite-ref-db-2018-06-13-180-0[180] Der Knoten soll nun unter dem Projektnamen Digitaler Knoten Stuttgart auf einer Länge von rund 500 km (im Rahmen der Digitalen Schiene Deutschland) vorrangig mit Digitalen Stellwerken und ETCS Level 2 Baseline 3 R2 ohne Lichtsignale sowie Automatisiertem Fahrbetrieb (ATO) ausgerßstet werden.cite-ref-ei-2023-01-08-181-0[181]
Bautechnik und Geologie
Die neuen Bahnstrecken von Stuttgart 21 sollen zu rund 60 % unterirdisch in Tunneln verlaufen (33 km der 57 km langen Bahnstrecke) und in der Tallage städtische Bebauung sowie den Neckar mit dem Tunnel Obertßrkheim unterqueren. Drei BahnhÜfe, 18 Brßcken und ein Abstellbahnhof sollen neu errichtet werden. Die besonderen bautechnischen Aufwendungen, die sich aus den geologischen Bedingungen ergeben, stellen mit den damit verbundenen technischen und finanziellen Unwägbarkeiten einen Schwerpunkt in der Diskussion um Stuttgart 21 dar.
Ein von der Deutschen Bahn in Auftrag gegebenes und den Planfeststellungsunterlagen beigefĂźgtescite-ref-n24-hg-182-0[182] geologisches Gutachten von 2003 stuft den Stuttgarter Untergrund als âgefährlichâ ein. Er sei voller Dolinen und Hohlräume.cite-ref-st-2010-08-26-183-0[183] Der zeitweilige Projektleiter Hany Azer kennzeichnete den Baugrund zusammenfassend als âschwierigâ.cite-ref-tunnel-2009-7-12-90-1[90]
Der bis 2003cite-ref-faz-ingen-184-0[184] an der Konzeption und Planung des neuen Hauptbahnhofs beteiligte Architekt Frei Otto schied im Januar 2009 vollständig aus dem Projekt aus, da er das Projekt nicht mehr verantworten kĂśnne. Der Bahnhof kĂśnne Ăźberschwemmt werden oder auch aufgrund seiner Lage im Grundwasser âwie ein U-Boot aus dem Meer aufsteigenâ. Die vorgesehenen MaĂnahmen gegen die im Gutachten von 2003 gefundenen Gefahren seien nicht ausreichend, es bestehe âGefahr fĂźr Leib und Lebenâ.cite-ref-sz-2010-08-18-185-0[185]cite-ref-186[186]
Dem Architekten und Ingenieur Werner Sobek zufolge sei âStuttgart 21 [âŚ] bei weitem nicht das schwierigste Bauwerk und hat nicht den schwierigsten Baugrundâ.cite-ref-n24-hg-182-1[182] Der neue Hauptbahnhof liege zudem vollständig oberhalb der Anhydrit-Schicht.cite-ref-stn-23092010-187-0[187] Der unbeeinflusste Anhydrit des Gipskeupers wandelt sich bei permanenter Feuchtigkeitseinwirkung in Gips um und entfaltet durch Aufquellen erhebliche Druckkräfte. Die längeren Tunnel fĂźr Stuttgart 21 werden Anhydritzonen durchqueren, die Tunnel nach Feuerbach und nach Ober-/UntertĂźrkheim werden mehrfach durch Anhydritzonen fĂźhren.cite-ref-wittke-tunnel-s21-188-0[188] Etwa 7,8 Kilometer der geplanten Tunnel liegen in unausgelaugtem Gipskeuper.cite-ref-189[189] BefĂźrworter verweisen darĂźber hinaus auf zahlreiche im Stuttgarter Untergrund realisierte Projekte, darunter die S-Bahn-Wendeschleife und den Hasenbergtunnel. Kritiker nennen hingegen unter anderem den Engelbergtunnel und den Wagenburgtunnel, bei denen Probleme mit Anhydrit aufgetreten sind.cite-ref-190[190]cite-ref-191[191] Der Tunnel ObertĂźrkheim unterquert den Neckar mit einer Ăberdeckung von teilweise rund 8 m. Die Konstruktion und Herstellung von Tunnelabschnitten in Verwerfungs- und Ăbergangszonen zu anderen geologischen Schichten erforderte besondere MaĂnahmen.
Aufgrund vertiefender Erkenntnisse ßber den Grundwasserandrang und der Verwendung eines veränderten Modells beantragte die Deutsche Bahn im März 2011, die GesamtfÜrdermenge des Grundwassermanagements in drei PFAs von insgesamt 9,1 auf 12,4 Millionen m³ anzuheben (davon 6,8 statt 3,0 Millionen m³ im PFA 1.1). Der zugehÜrige Planänderungsbescheid erging im September 2014.cite-ref-192[192] Gegen die Planänderung waren ßber 10.000 Einwendungen von etwa 4.000 Einwendern erhoben und ein achttägiger ErÜrterungstermin durchgefßhrt worden.cite-ref-ei-2024-06-17-193-0[193]
Ăkologie
Nach einer Bewertung von 2009 sollen durch Stuttgart 21 pro Jahr 310 Millionen Pkw-Kilometer im Fernverkehr sowie 67 Millionen Pkw-Kilometer im Nah- und Regionalverkehr eingespart werden.cite-ref-vw-bewertung-194-0[194] Zusammen mit den durch die Schnellfahrstrecke WendlingenâUlm realisierten weiteren Einsparungen von 630 Millionen Pkw-Kilometern im Jahr und unter BerĂźcksichtigung der durch den Schienenverkehr verursachten Mehremissionen ergebe sich im Saldo eine erwartete Reduzierung der CO2-Emissionen um 176.800 Tonnen pro Jahr.cite-ref-vw-bewertung-194-1[194] Kritiker verweisen auf die enormen Emissionen die durch den Einsatz von Zement und Stahl entstanden, die bei der Sanierung des Bestands nicht freigesetzt worden wären.
FĂźr den Bau des Tiefbahnhofs wurden im Mittleren Schlossgarten 116 Bäume gefällt und 68 Bäume per Rundspatenmaschine versetzt, 14 davon innerhalb des Schlossgartens und 54 innerhalb des Stadtgebiets.cite-ref-stn20120225-195-0[195] Die gefällten Bäume hatten einen Stammumfang von 80 bis 500 cm und waren zum Teil rund 200 Jahre alt.cite-ref-196[196]cite-ref-197[197] Der Planfeststellungsbeschluss sah ursprĂźnglich vor, 282 grĂśĂere Bäume zu fällen, nach dem Schlichterspruch vom 30. November 2010 sollten im Schlossgarten aber nur Bäume gefällt werden, die ohnehin wegen Krankheit oder Altersschwäche absterben wĂźrden.cite-ref-schlichterspruch-198-0[198]cite-ref-herz-schlichtung-199-0[199]cite-ref-herz-20110207-200-0[200]cite-ref-herz28092010-201-0[201] Die Auswahl der zu fällenden Bäume erfolgte durch ein Forum um den Stuttgarter Professor Ortwin Renn, das auch ein Konzept fĂźr die Nutzung der Stämme als Totholz, fĂźr Kunstprojekte und Kinderspielplätze erarbeitet.cite-ref-bsu20120127-202-0[202] Als Ăśkologischer Ausgleich war die Pflanzung von 293 bis zu 12 m hohen Bäumen geplant. Auf den GrĂźnflächen im Rosensteinviertel sollten ferner 5000 Bäume und Sträucher gepflanzt werden, der Schlossgarten soll zudem um 21 Hektar erweitert werden (Stand 2010).cite-ref-db-2010-02-26-203-0[203]
Im Unterschied zum Rosensteinpark ist der Schlossgarten nicht als FFH-Gebiet ausgewiesen, ist jedoch ein bedeutender Lebensraum des Juchtenkäfers. Der Planfeststellungsbeschluss sah keinen der damals als bewohnt bekannten Bäume zur Fällung vor.cite-ref-pfa-1-5-204-0[204] Alle gefällten Bäume wurden auf Juchtenkäfer untersucht, die gegebenenfalls umgesiedelt werden.cite-ref-pfa-1-5-204-1[204] Bei der Fällung von Bäumen am 1. Oktober 2010 wurden bei dieser Untersuchung Larven des Juchtenkäfers in einer alten Platane gefunden und in eine Aufzuchtstation gebracht.cite-ref-205[205] Etwa 20 Bäume in der Nähe des Ferdinand-Leitner-Stegs, die mÜglicherweise Juchtenkäferpopulationen aufwiesen, wurden dauerhaft erhalten und während der Bauphase geschßtzt.cite-ref-bsu20120127-202-1[202]
Die Oberfläche des Hauptbahnhofs soll im Bereich des Mittleren Schlossgartens begrĂźnt werden. Ăber der Bahnhofshalle soll ein âleicht zugänglicher, relativ flacher HĂźgelâ entstehen, der dem Planfeststellungsbeschluss zufolge das Landschaftsbild nicht verändere.cite-ref-pfa-1-1-1-1[1] Die ĂberwĂślbung soll zwischen 6 Metern am Bahnhofsturm und 3 Metern am Eingang Staatsgalerie betragen.cite-ref-pfa-1-1-1-2[1] Im Mittleren Schlossgarten entstanden zehn gläserne Lichtaugen der unterirdischen Bahnhofshalle mit je 15 Metern Durchmesser und 4,3 m HĂśhe.cite-ref-architektur-206-0[206] Da der Schlossgarten nicht mehr durch die Cannstatter StraĂe (später zeitweise âAm SchloĂgartenâ) durchschnitten wird, soll auch hier eine Erweiterung des Parks entstehen.cite-ref-pfa-1-1-1-3[1]
Durch den massiven Tiefbau mussten fßr das Projekt insgesamt etwa 5,8 Millionen Kubikmeter Wasser behandelt werden.cite-ref-regpst-2006-6-39-3[39] Projektgegner befßrchteten dadurch eine Verschmutzung der Mineralquellen unter Stuttgart-Bad Cannstatt und eine Beeinträchtigung des Stadtklimas.cite-ref-sz-2004-264-v113-207-0[207] Architekt Werner Sobek wies darauf hin, dass der Horizont des Mineralwassers im Bereich des neuen Bahnhofs 50 m unter der Bodenplatte beginnt und sich zwischen der tiefsten Grßndung und dem Mineralwasser noch eine 35 m starke, wasserundurchlässige Schicht befinde, die Grund- und Mineralwasser trenne.cite-ref-herz-sobek-208-0[208] Zudem lägen zahlreiche Tiefgaragen sowie S-Bahn- und Stadtbahn-Tunnel tiefer.cite-ref-herz-sobek-208-1[208]
Insgesamt wurden rund acht Millionen Kubikmeter Abraum bewegt; allein auf den innerstädtischen Bereich mit dem Hauptbahnhof entfielen rund vier Millionen Kubikmeter.cite-ref-tunnel-2009-7-12-90-2[90] Der Abraum wurde zum GroĂteil Ăźber eigene BaustraĂen und mittels GĂźterzĂźgen abtransportiert. Ein Teil der Massen sollte zur VerfĂźllung eines ehemaligen Braunkohletagebaus in Lochau sowie zur Rekultivierung eines Gipsbruches in Lauffen ob Rottweil verwendet werden (Stand 2008).cite-ref-sw-2008-01-26-209-0[209]
Der Spiegel ging 2019 nach einer Recherche von erhĂśhten Feinstaubbelastungen im zukĂźnftigen Hauptbahnhof aus, nachdem Messungen der Dekra an Stuttgarter Stadtbahn-Stationen erhĂśhte Feinstaub-Konzentrationen ergeben hatten.cite-ref-spiegel-2019-26-103-210-0[210]
Sicherheitskonzept und Brandschutz
brandschutz
Die Stuttgarter Branddirektion kritisierte 2012 Mängel am Brandschutzkonzept des Projekts. Damals seien 14 Punkte eines 16 Punkte umfassenden Forderungskatalogs der Stuttgarter Feuerwehr noch offen gewesen. Die vorgesehenen trockenen LÜschwasserleitungen fßhrten dazu, dass bis zu 45 Minuten vergehen wßrden, bis LÜschwasser am Ereignisort im Tunnel zur Verfßgung stßnde.
Auch MÜglichkeiten, die Tunnel und Fluchtstollen im Brandfall entlßften zu kÜnnen, seien notwendig. So fehlten insbesondere Rauchabzßge an der Tunneldecke, bemängelten Kritiker.cite-ref-211[211]
Auch das Evakuierungskonzept fĂźr den geplanten Tiefbahnhof wurde bemängelt.cite-ref-stz-68-144-17-212-0[212] Während die Planfeststellung von 2003 von 10.000 zu evakuierenden Menschen ausging, gingen die neueren Bestimmungen des Eisenbahn-Bundesamt von bis zu 16.000 Menschen in einem UnglĂźcksfall aus.cite-ref-pfa-1-1-1-4[1]cite-ref-213[213] Der Brandschutzbeauftragte der DB AG, Klaus-JĂźrgen Bieger, gab fĂźr die gesamte Bahnsteighalle 6.500 Menschen ancite-ref-214[214] und der damalige Projektsprecher Wolfgang Dietrich gab als âworst caseâ fĂźr einen der vier Bahnsteige 2.530 zu evakuierende Personen an.cite-ref-215[215] Kritiker merkten an, dass gemäà dem fĂźr den Stresstest geplanten Betriebsprogramm und der bisher fĂźr Stuttgart 21 angewandten Methodik des Eisenbahn-Bundesamts vielmehr auf dem am stärksten belegten Bahnsteig mehr als 6.000 zu rettende Personen anzusetzen wären und in Summe der Bahnsteighalle gut 16.000 Personen zu berĂźcksichtigen wären.cite-ref-engelhardt-2014-09-29-116-1[116]cite-ref-216[216]
Entgegen der Forderung des Regierungspräsidium Stuttgart soll die Feuerwehr bei AuslĂśsung eines Einzelmelders der Brandmeldeanlage nicht (automatisch) alarmiert werden. Als Grund wird âdie Vermeidung eines GroĂeinsatzes [âŚ] bei Kleinstbrändenâ genannt, âda diese [âŚ] beherrscht werden kĂśnnenâ.cite-ref-217[217]
Denkmalpflege
In den Denkmalschutz eingegriffen wurde insbesondere beim Teilabriss des Bahnhofsgebäudes (Bonatzbau) und der Reichsbahndirektion Stuttgart. Die Fassaden des unter Denkmalschutz stehenden Empfangsgebäudes blieben erhalten, ebenso Bahnhofshalle und Turm. Durch den Abriss der Seitenflßgel ging jedoch die Integrität des U-fÜrmigen Gesamtkomplexes mit seiner dreidimensionalen U-Struktur verloren. Die rßckwärtigen Gebäudeteile des denkmalgeschßtzten Gebäudes der alten Reichsbahndirektion Stuttgart wurden abgerissen. In die historischen Parkanlagencite-ref-218[218] entlang der bestehenden Betriebsfläche der Bahn wurde ebenfalls eingegriffen.
Der Planfeststellungsbeschluss (2005) hielt fest, dass die âverkehrlichen, betrieblichen und vor allem die städtebaulichen Vorteile des Projekts gegenĂźber dem jetzigen Zustandâ so schwer wiegen, dass âdas Ăśffentliche Interesse am uneingeschränkten Erhalt des Bonatzgebäudes hier hinter dem Ăśffentlichen Interesse an der Verwirklichung des geplanten Vorhabens zurĂźcktreten mussâ.cite-ref-pfa-1-1-1-5[1] In einem 2022 verĂśffentlichten Nachrichtenblatt schrieb das Landesamt fĂźr Denkmalpflege Baden-WĂźrttemberg, dass ein âgeplantes Schwerpunktheft zum Stuttgarter Hauptbahnhof im Kontext der Planungen von S 21 im Sommer 1997 nicht erscheinenâ durfte, nachdem es dem Wirtschaftsministerium unter Walter DĂśring vorgelegt wurde. Auch danach seien âVerĂśffentlichungen der Denkmalpflege zu diesem Thema nicht gewĂźnschtâ gewesen.cite-ref-219[219]
Kosten und Finanzierung
â
Hauptartikel
:
Kosten und Finanzierung von Stuttgart 21
Bauherr des Projekts ist die Deutsche Bahn. An der Finanzierung beteiligen sich die Bundesrepublik Deutschland, das Land Baden-Wßrttemberg, der Verband Region Stuttgart, die Landeshauptstadt Stuttgart, die Flughafen Stuttgart GmbH sowie die Europäische Union.cite-ref-ten-mittel-220-0[220]
Kosten
Bereits in der Planung wurden die prognostizierten Kosten mehrfach angehoben. So schätzte die Machbarkeitsstudie von Anfang 1995 die Kosten (mit Preisstand 1993) auf 4,807 Milliarden D-Mark (4,180 Milliarden DM Baukosten zzgl. 15 Prozent Planungszuschlag). Dies entspricht rund 2,45 Milliarden Euro. Auf Basis des Preis- und Planungsstandes von 1998 wurden später Gesamtkosten von 2,6 Milliarden Euro ermittelt.
Als Grundlage des Finanzierungsvertrags vom 30. März 2009 schätzte die Deutsche Bahn die Gesamtkosten 2008cite-ref-bt-16-10233-221-0[221] auf 2,8104 Milliarden Euro (Realwert 2004)cite-ref-db-2009-12-10-222-0[222] beziehungsweise fortgeschrieben und nominalisiertcite-ref-db-2009-12-10-222-1[222] auf 3,076 Milliarden Euro.cite-ref-ds-14-4382-26-1[26]
Eine im Dezember 2009 vorgelegte, aktualisierte Kostenschätzung auf Basis der Entwurfsplanung und mit Preisstand von 2009cite-ref-stz-2009-12-12-223-0[223] bezifferte die Gesamtkosten auf 4,088 Milliarden Euro.cite-ref-herz-2009-12-10-53-1[53]cite-ref-welt-2009-12-10-224-0[224] Rund 3,2 Milliarden Euro davon waren Baukosten, 547 Millionen Euro Planungskosten und rund 322 Millionen Euro als Zuschlag fĂźr Baupreissteigerungen vorgesehen.cite-ref-welt-2009-12-11-225-0[225] Bei den Schlichtungsgesprächen im Herbst 2010 wurde die Kostenkalkulation durch drei WirtschaftsprĂźfungsgesellschaften in begrenzter Tiefe geprĂźft. Demnach seien die Annahmen zu Optimierungspotentialen âeher als optimistisch einzuschätzenâ, eine Ăberschreitung des Finanzierungsrahmens sei jedoch nicht absehbar gewesen. Die Bewertung zukĂźnftiger Risiken sei mit hoher Unsicherheit behaftet gewesen.cite-ref-schlichtung-chance-2010-11-26-226-0[226] Der offizielle âGesamtwertumfangâ wurde unter den Projektpartnern im März 2012 mit 4,330 Milliarden Euro festgelegt.cite-ref-db-2012-03-23-227-0[227]
Ein Gutachten der Unternehmensberatung McKinsey, dessen Ergebnisse dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn am 12. Dezember 2012 präsentiert wurden, prognostizierte Planungs- und Baukosten von insgesamt 4,696 Milliarden Euro. ZuzĂźglich 930 Millionen Euro sogenannter âPufferâ ergab sich eine Projektsumme von 5,626 Milliarden Euro.cite-ref-db-2012-12-12-228-0[228] Weitere 990 Millionen Euro drohende Mehrkosten lagen nach Auffassung der Deutschen Bahn im Einflussbereich der Projektpartner Land und Stadt.cite-ref-db-2012-12-12-228-1[228] Andere Interpretationen gingen von insgesamt 2,3 Milliarden Euro Mehrkosten aus.cite-ref-spiegel-2012-12-12-229-0[229]
Am 5. März 2013 entschied der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn Ăźber das weitere Vorgehen. Die Bahn schätzte die Projektkosten auf nunmehr 4,730 Milliarden Euro. ZuzĂźglich 1,796 Milliarden Euro Risiken und âPufferâ ergab sich ein Finanzierungsrahmen von 6,5 Milliarden Euro.cite-ref-db-2013-07-18-230-0[230]
Kritiker hatten schon zuvor die HĂśhe der angesetzten Gesamtkosten bezweifelt. So prognostizierte Mitte 2008 eine im Auftrag von BUND und BĂźndnis 90/Die GrĂźnen erstellte Studie der Verkehrsberatung Vieregg-RĂśssler wahrscheinliche Gesamtkosten fĂźr Stuttgart 21 in HĂśhe von 6,9 bis 8,7 Milliarden Euro.cite-ref-vr-231-0[231] Der Bundesrechnungshof rechnete in einem Bericht Ende 2008, basierend auf MaĂstäben des Bundesverkehrsministeriums, mit Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro und Gesamtkosten von 5,3 Milliarden Euro.cite-ref-brh-2008-10-30-232-0[232] Laut einem Medienbericht hatten Beamte des Landes Baden-WĂźrttemberg die Kosten im Herbst 2009 auf mindestens 4,9 Milliarden Euro geschätzt. Wahrscheinlicher sei jedoch ein Betrag von bis zu 6,5 Milliarden Euro. Der damalige baden-wĂźrttembergische Ministerpräsident Oettinger habe angewiesen, von einer neuen Kostenberechnung abzusehen, da diese Zahlen âin der Ăffentlichkeit schwer kommunizierbarâ seien.cite-ref-233[233]
Ende November 2017 wurde eine ErhĂśhung des Kostenrahmens auf 7,6 Milliarden Euro bekannt.cite-ref-spon-2018-01-25-234-0[234] Ende Januar 2018 wurde eine ErhĂśhung des Finanzierungsrahmens auf 8,2 Milliarden Euro bekannt, einschlieĂlich eines Risikopuffers von 495 Millionen Euro.cite-ref-db-2018-01-26-95-2[95]cite-ref-spon-2018-01-25-234-1[234] BegrĂźndet wurde die Kostensteigerung u. a. durch Baupreissteigerungen, aufwendigere Verfahren beim Tunnelbau im Anhydrit und umfangreichere Genehmigungsverfahren.cite-ref-db-2018-01-26-95-3[95] Im November 2019 wurde der Risikopuffer aufgelĂśst und auch der Gesamtwertumfang auf 8,2 Milliarden Euro erhĂśht.cite-ref-db-2019-11-11-235-0[235] An der Kostenprognose von maximal 8,2 Milliarden Euro wollte die DB aber weiterhin festhalten.cite-ref-236[236]
Der DB-Vorstandsvorsitzende Richard Lutz sagte im April 2018 im Verkehrsausschuss des Bundestages, mit dem Wissen von heute wĂźrde man das Projekt nicht mehr bauen.cite-ref-bt-19-11-239-0[239]cite-ref-stz-2018-04-20-240-0[240] Laut DB-internen Unterlagen stĂźnden 4,034 Milliarden Eigenmitteln Projekteffekte in HĂśhe von 0,656 Milliarden Euro sowie GrundstĂźckserlĂśse von 1,15 Milliarden Euro gegenĂźber.cite-ref-stz-2018-04-20-240-1[240]
Im September 2019 warnte der Bundesrechnungshof, dass der Finanzierungsrahmen von 8,2 Milliarden ⏠aus seiner Sicht nicht ausreichend sei, um mehrere noch vorhandene Risiken in verschiedenen Bauabschnitten abzudecken. Der Bundesrechnungshof mahnte eine strengere Kontrolle durch den Bund an und ggf. eine Reduktion des Projektumfangs an. Ein weiterer Kostenanstieg sei fĂźr die Deutsche Bahn âwirtschaftlich nicht tragbarâ.cite-ref-241[241]cite-ref-242[242]
Laut Medienberichten von Dezember 2021 standen weitere Mehrkosten in HÜhe von 500 Millionen Euro im Raum. Als Grßnde wurden stark steigende Baukosten und technische Schwierigkeiten angegeben. Eine Sonderprßfung lief, erste Ergebnisse folgten Januar 2022.cite-ref-stn-2021-12-17-243-0[243] Zuvor wurde bekanntgegeben, dass die Rohbaukosten des Hauptbahnhofs von zunächst 323 Millionen Euro bis Ende 2020 auf 695 Millionen Euro gestiegen waren.cite-ref-stn-2020-300-17-244-0[244]
Laut Angaben aus Regierungskreisen von Anfang 2022 schätzte die DB die Gesamtkosten inzwischen auf 9,2 Milliarden Euro.cite-ref-245[245] Ein entsprechendes Gutachten des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers und der Ingenieur-Gruppe Emch+Berger wurde dem PrĂźfungsausschuss des DB-Aufsichtsrats vorgestellt. Die DB nannte als Grund fĂźr die Entwicklung drastisch gestiegene Baukosten.cite-ref-spiegel-2022-06-64-246-0[246] Im März 2022 wurde der sogenannte âGesamtwertumfangâ auf 9,15 Milliarden Euro erhĂśht, zuzĂźglich einer âergänzenden Vorsorgeâ von 640 Millionen Euro.cite-ref-db-2022-03-18-247-0[247]
In einem vertraulichen Papier konstatierte die Bahn laut einem Bericht des Spiegels einen weiteren Mehrkostenbetrag von 614 Millionen Euro gegenßber 2022, danach sollten die Gesamtkosten insgesamt 9,76 Milliarden Euro betragen.cite-ref-248[248] Im Dezember 2023 war die Kostenschätzung auf 11 Milliarden ⏠gestiegen, zusätzlich wurde ein Puffer von 500 Millionen eingeplant.cite-ref-249[249] In einem Schreiben an die Projektpartner Mitte Dezember war die Rede von einem Gesamtfinanzierungsrahmen von 11,453 Milliarden Euro.cite-ref-250[250]
Im Juni 2024 teilte der Bahninfrastrukturvorstand Berthold Huber mit, dass durch die VerzĂśgerung des Projektes um ein weiteres Jahr eine Kostensteigerung von etwa 100 Millionen Euro entstehe. Diese solle den Finanzierungsrahmen von 11,453 Milliarden Euro jedoch ânicht sprengenâ.cite-ref-251[251] Laut einem Medienbericht lagen die Kostenschätzungen laut âmit dem Projekt Betrautenâ im Juni 2024 bei mindestens 12 Milliarden Euro.cite-ref-xx-252-0[252]
Die Ergänzungsprojekte unterliegen teils einer gesonderten Finanzierung.
Finanzierung
Laut Machbarkeitsstudie von 1995 sollte die Finanzierung des Projekts durch den Verkauf von Grundstßcken, durch Mehreinnahmen aus erhÜhtem Fahrgastaufkommen, verbesserten Betriebsabläufen sowie Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes erfolgen. Die Beteiligung privater Investoren war angedacht. Nach dem Ende 1995 vorgelegten Synergiekonzept sollten die Projektkosten von 4893 Millionen D-Mark etwa zur Hälfte (2175 Millionen DM) aus GrundstßckserlÜsen finanziert werden. Durch den Bund sollten die Kosten zur Anbindung der Neubaustrecke nach Ulm (nach § 8 Abs. 1 BSchwAG) von 886 Millionen DM finanziert werden; weitere 350 Millionen DM als zinsloses Darlehen nach 8 Abs. 2 BSchwAG. Die ßbrigen 500 Millionen DM sollten nach Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz von Bund, Land und Kommunen finanziert werden. Auf Grundlage dieser Daten wurde am 7. November 1995 eine erste Finanzierungsvereinbarung fßr das Projekt unterzeichnet.cite-ref-sz-1995-257-1-253-0[253] Mitte Februar 2001 einigten sich Bund und das Land Baden-Wßrttemberg auf eine Vorfinanzierung des Bundesanteils durch das Land.cite-ref-eri-2001-148-42-1[42]cite-ref-sz-2001-38-5-254-0[254] Dadurch sollte der Baubeginn um sieben Jahre auf 2004 vorgezogen werden.cite-ref-eri-2001-148-42-2[42] Im Rahmen eines Memorandum of Understanding einigten sich am 19. Juli 2007 Bund, Land, Stadt, Bahn und der Verband Region Stuttgart darauf, den Baubeginn fßr Stuttgart 21 und der Neubaustrecke auf 2010 vorzuziehen. Am gleichen Tag wurde ein Eckpunktepapier fßr einen Finanzierungsvertrag abgeschlossen.cite-ref-ds-14-4382-26-2[26] Von Gesamtkosten in HÜhe von 2,8 Milliarden Euro sollte die Deutsche Bahn 1,115 Milliarden Euro und das Land 685 Millionen tragen. Der Bund sollte sich mit Mitteln aus dem Bedarfsplan in HÜhe von 500 Millionen Euro sowie nach Bundesschienenwegeausbaugesetz (BSchwAG) mit rund 200 Millionen Euro beteiligen.cite-ref-255[255]
Der Deutsche Bundestag genehmigte mit dem Bundeshaushalt 2009 Bundesmittel in HÜhe von insgesamt 1,55 Milliarden Euro fßr Stuttgart 21 und die Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm.cite-ref-256[256] Diese Bundesmittel kamen jedoch fßr Stuttgart 21 durch Gegenrechnung mit EU-Mitteln letztlich kaum zur Auszahlung.cite-ref-0-257-0[257] Nach dem Finanzierungsvertrag vom 30. März 2009 sollten die damals angenommenen Gesamtkosten von 3,076 Milliarden Euro folgende Institutionen tragen:cite-ref-ds-14-4382-26-3[26]
⢠Die Deutsche Bahn AG 1,3 Mrd. Euro, darunter Planungskostenzuschßsse der Europäischen Union.
⢠Die Bundesrepublik Deutschland 997 Millionen Euro aus Mitteln des BSchwAG, davon direkt an das Projekt 500 Millionen Euro und 497 Millionen Euro an die Deutsche Bahn, sowie anteilig 169 Millionen Euro aus GVFG-Mitteln, zusammen 1,17 Millionen Euro.
⢠Das Land Baden-Wßrttemberg mit Partnern 389 Millionen Euro als Zuschuss sowie einen Anteil in HÜhe von 112 Millionen Euro an den verwendeten GVFG-Mitteln, zusammen 502 Millionen Euro.
⢠Die Flughafen Stuttgart GmbH 108 Millionen Euro.
Die Flughafen Stuttgart GmbH verpflichtete sich darĂźber hinaus zur Leistung von weiteren 112 Millionen Euro âzum Ausgleich fĂźr Betriebsverlusteâ, insgesamt also zu 220 Millionen Euro. AuĂerdem solle er auf eigene Kosten verschiedene Bauwerke und Anlagen errichten. Die Europäische Union beteiligte sich zunächst mit 114 Millionen Euro an der Finanzierung.cite-ref-tena-2007-11-1[11] Bis 2020 ist eine weitere EU-FĂśrderung von 594 Millionen Euro vorgesehen. Die EU-Mittel werden voraussichtlich bis Projektende die Mittel des Bundes aus dem BSchwAG am Projekt vollständig ersetzen.cite-ref-0-257-1[257]cite-ref-stn-2015-07-16-258-0[258]
FĂźr die Aktualisierung der Bausumme im Rahmen der Entwurfsplanung wurde ein âRisikovorsorgebetragâ von 1.450 Millionen Euro vorgesehen,cite-ref-db-2009-12-10-222-2[222] der sich auf die Deutsche Bahn, Land, Stadt und den Flughafen Stuttgart aufteilt. Auf Basis der im Dezember 2009 vorgelegten, aktualisierten Kostenschätzung verteilten sich die Gesamtkosten auf 4,088 Milliarden Euro wie folgt.
⢠Die Deutsche Bahn AG trägt 1,47 Milliarden Euro (davon 1.237 Millionen Euro Eigenmittel und 232 Millionen Euro Risikovorsorge),
⢠der Bund (einschlieĂlich EU-Mittel) 1,23 Milliarden Euro,
⢠das Land Baden-Wßrttemberg 829 Millionen Euro,
⢠die Landeshauptstadt Stuttgart 239 Millionen Euro,
⢠der Flughafen Stuttgart 227 Millionen Euro und
⢠der Verband Region Stuttgart 100 Millionen Euro.cite-ref-dnhe-2010-05-05-259-0[259]
Nach Auffassung des Juristen Hans Meyer sei diese Mischfinanzierung verfassungswidrig und der Finanzierungsvertrag deshalb nichtig.cite-ref-260[260] Mit Urteil vom 14. Juni 2016 entschied das Bundesverwaltungsgericht gegenteilig. Bahnprojekte seien demnach keine Bundesaufgabe, da die Gesellschaften der Bahn als private Unternehmen aufträten. Die Mitfinanzierung durch Land und Gemeinden sei daher zulässig.cite-ref-261[261]cite-ref-262[262] Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn genehmigte am 5. März 2013 eine ErhĂśhung des Finanzierungsrahmens von zuvor 4,53 Milliarden auf 6,53 Milliarden Euro aus Eigenmitteln des Unternehmens.cite-ref-db-2013-03-05-263-0[263] Medienberichten zufolge wurde kurz zuvor aus dem Kanzleramt Druck auf die Staatssekretäre im Aufsichtsrat der DB AG ausgeĂźbt, um ein positives Ergebnis in der Frage des Weiterbaus zu erzielen.cite-ref-264[264] Ein Teil der Summe sollte von Projektpartnern durch die âSprechklauselâ des Finanzierungsvertrags wieder hereingeholt werden.cite-ref-handelsblatt-2013-46-21-265-0[265] Die Ăbernahme der Mehrkosten ist zwischen den Projektpartnern umstritten; die Stadt Stuttgart sowie das Land Baden-WĂźrttemberg lehnen eine Beteiligung ab.cite-ref-zeit-2013-03-10-266-0[266] Die Bahn AG sah lange Zeit davon ab, die Mehrkostenbeteiligung der anderen Partner gerichtlich einzuklagen. Im November 2016 versuchte sie, eine Verjährungshemmungsvereinbarung zu erreichen, um weiterhin auf eine Klage verzichten zu kĂśnnen. Diese Hemmungsvereinbarung wurde jedoch von allen Partnern auĂer dem Verband Region Stuttgart abgelehnt.cite-ref-267[267]cite-ref-268[268]
Daraufhin reichte die Deutsche Bahn am 23. Dezember 2016 Klage vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart ein.cite-ref-269[269]cite-ref-270[270] Im zuvor an die Partner ergangenen Anspruchsschreiben heben die Projektverantwortlichen darauf ab, dass das Projekt zunächst von der Bahn abgelehnt wurde und nicht primär der Optimierung der Eisenbahninfrastruktur diene, sondern städtebauliche sowie verkehrs- und wirtschaftspolitische Ziele der Partner verfolge. Gefordert wurde zunächst eine Aufteilung der Mehrkosten in HĂśhe von 1,46 Mrd. Euro auf 514 Millionen Euro fĂźr die EIU (Deutsche Bahn), 120 Millionen Euro fĂźr den Flughafen und 827 Millionen Euro fĂźr Land und Stadt; sowie eine Fortschreibung dieser Aufteilung fĂźr alle darĂźber hinaus gehenden Kostensteigerungen des Projekts.cite-ref-271[271]cite-ref-272[272] Die Klage wird seit August 2023 verhandelt. Im Januar 2018 wurde der Finanzierungsrahmen auf 8,2 Milliarden Euro erhĂśht.cite-ref-db-2018-01-26-95-4[95] Ende 2018 lief die Regelfinanzierung gemäà Finanzierungsvertrag aus. Damit endeten die Beitragszahlungen der Ăśffentlichen Projektpartner und die Deutsche Bahn AG musste die weitere Finanzierung zunächst selbst Ăźbernehmen. Im März 2019 wurde dazu eine interne Finanzplanung der DB bekannt. Mit mehr als vier Milliarden Euro, die sie bis 2023 fĂźr das Projekt aufwenden mĂźsse, werde das Projekt fĂźr den Konzern zu einer finanziellen Last.cite-ref-273[273] In einem internen Papier der Deutschen Bahn vom 18. April 2018 wird davon ausgegangen, dass insgesamt 4,03 Milliarden Euro Eigenmittel der DB fĂźr den Umbau des Bahnknotens verwendet werden mĂźssen, rund viermal so viel wie geplant. Positive âProjekt-Effekteâ lägen hingegen bei 656 Millionen Euro, âImmobilien-Effekteâ bei 1,15 Milliarden Euro. Somit wird von einem Planverlust von 2,23 Milliarden Euro fĂźr den Bahnkonzern ausgegangen. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung habe die DB-Spitze zugleich erstmals die Unwirtschaftlichkeit von Stuttgart 21 vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages offen eingestanden.cite-ref-274[274]
Das Verwaltungsgericht Stuttgart wies im Mai 2024 Klagen der Deutschen Bahn auf Ăbernahme von Kostensteigerungen von mindestens 6,5 Milliarden Euro (Stand 2025) durch die Projektpartner ab.cite-ref-275[275]cite-ref-276[276] Der Verwaltungsgerichtshof Baden-WĂźrttemberg lehnte den Antrag der Deutschen Bahn auf Zulassung der Berufung ab. Damit wurde das Urteil am 5. August 2025 rechtskräftig.cite-ref-277[277]cite-ref-278[278]
Kommunikation und Rezeption
Ăffentlichkeitsarbeit
Im Sommer 2009 wurde der Landtagsabgeordnete Wolfgang Drexler (SPD) zum Projektsprecher ernannt.cite-ref-279[279] Am 17. September 2010 trat Drexler von diesem Posten zurĂźck.cite-ref-280[280] Vom 24. September 2010 an fungierte Wolfgang Dietrich als Projektsprecher.cite-ref-dnh-2010-09-24-281-0[281] Der mit ihm berufene Udo Andriof trat bereits im Mai 2011 zurĂźck.cite-ref-dnhe-2011-05-02-282-0[282] Dietrich wurde am 4. Februar 2015 von Georg Brunnhuber abgelĂśst, dieser trug jedoch nicht mehr die Amtsbezeichnung âSprecherâ.cite-ref-283[283] Der Posten des Projektsprechers wurde erst wieder im Oktober 2015 von JĂśrg Hamann besetzt. Hamann war zuvor Leiter der u. a. fĂźr Stuttgart 21 zuständigen Lokalredaktion der Stuttgarter Nachrichten und sei fĂźr seine das Projekt befĂźrwortenden Artikel bekannt gewesen.cite-ref-284[284] Im August 2019 wurde die FĂźhrung des S-21-Vereins wiederum von Bernhard Bauer Ăźbernommen, einem wegen seiner Rolle bei der Polizeiaktion am 30. September 2010 umstrittenen ehemaligen Ministerialdirektor.cite-ref-285[285]cite-ref-286[286]
Proteste und Schlichtung
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Hauptartikel
:
Protest gegen Stuttgart 21
und
Schlichtung zu Stuttgart 21
Meinungsumfragen zu Stuttgart 21 ergaben immer wieder wechselnde Mehrheiten in der BevĂślkerung fĂźr oder gegen das Bauprojekt. Die hĂśchste Ablehnung fand das Projekt mit 67 % im August 2010, die hĂśchste Zustimmung mit 66 % im November 2012. Teilweise wurde von verschiedenen Instituten zur gleichen Zeit sowohl eine mehrheitliche Ablehnung als auch eine mehrheitliche Zustimmung erfragt.
Am 14. November 2007 wurden im Rathaus 61.193 gßltige Unterschriften fßr ein Bßrgerbegehren ßbergeben, das auf einen Ausstieg der Stadt aus dem Projekt abzielte; notwendig waren 20.000. Der entsprechende Bßrgerentscheid wurde am 20. Dezember 2007 vom Stuttgarter Gemeinderat mit 45 zu 15 Stimmen abgelehnt, da er rechtlich unzulässig sei.
Seit der offiziellen Entscheidung fĂźr die Umsetzung des Projekts gibt es zahlreiche Protestaktionen. Seit November 2009 finden wĂśchentlich sogenannte Montagsdemonstrationen mit mehreren tausend Teilnehmern statt.cite-ref-zeit-2010-11-287-0[287] Zu den Organisatoren des Protestes gehĂśren die BĂźrgerinitiative Leben in Stuttgart, der Bund fĂźr Umwelt und Naturschutz Deutschland und der Kreisverband von BĂźndnis 90/Die GrĂźnen. Gemeinsam wurde das Alternativkonzept Kopfbahnhof 21 entwickelt und Unterschriften fĂźr ein BĂźrgerbegehren gesammelt. Die Initiative ParkschĂźtzer setzte sich primär gegen das Fällen von Bäumen im Schlossgarten ein. Auch nach der Rodung des dortigen Baufeldes im Februar 2012 dient sie weiterhin als grĂśĂte Kommunikationsplattform der Kritiker im Internet.
Am 30. September 2010 demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen die bauvorbereitenden MaĂnahmen im Mittleren Schlossgarten, in deren Rahmen 25 Bäume gefällt werden sollten. Bis zu 400 Menschen wurden bei der Räumung des Schlossgartens durch den Einsatz von SchlagstĂścken, Wasserwerfern und Pfefferspray durch die Polizei verletzt.cite-ref-288[288] Zwei Demonstranten wurden schwer an den Augen verletzt,cite-ref-289[289] einer davon, der Ingenieur Dietrich Wagner, ist nahezu erblindet.cite-ref-290[290] Der Polizeieinsatz fĂźhrte zu 380 Strafanzeigen gegen Polizeibeamte sowie 121 gegen Demonstranten, aus denen bislang 104 Ermittlungsverfahren hervorgingen, davon 19 gegen Polizisten.cite-ref-stz-2011-02-23-291-0[291] Anfang August 2013 erhielten zwei Mitarbeiter der Bereitschaftspolizei sieben Monate Haft auf Bewährung, ein weiterer 120 Tagessätze.cite-ref-stz-2013-198-17-292-0[292]
Am 18. November 2015 wurde die polizeiliche Räumungsaktion vom 30. September 2010 vom Verwaltungsgericht Stuttgart fĂźr rechtswidrig erklärt, weil die Polizei bei der Räumung des Schlossgartens âdie hohen HĂźrden des Grundgesetzesâ nicht beachtet habe.cite-ref-dlf-18112015-293-0[293]
Am Folgetag (1. Oktober) demonstrierten laut Polizeiangaben mindestens 50.000 Menschen (laut Veranstalter: rund 100.000) im Mittleren Schlossgarten.cite-ref-294[294] Am 9. Oktober 2010 fand die bislang grĂśĂte Demonstration gegen das Projekt statt (Stand: 10. Oktober 2010). Die Polizei sprach von mindestens 63.000 Teilnehmern, die Veranstalter von rund 150.000.cite-ref-295[295]
Seit Mitte September 2010 gab es auch nennenswerte Demonstrationen der Befßrworter des Projekts. An der bisher teilnehmerstärksten Kundgebung am 23. Oktober 2010 nahmen nach Polizeiangaben 7.000 Teilnehmer teil.cite-ref-296[296]
Vom 22. Oktober bis 27. November 2010 fanden acht von Heiner GeiĂler (CDU) moderierte âSchlichtungsgesprächeâ zwischen Vertretern von ProjektbefĂźrwortern und -gegnern statt,cite-ref-297[297] die live im Internet und im Fernsehen verfolgt werden konnten.cite-ref-298[298] An acht Sitzungstagen wurde rund 60 Stunden diskutiert.cite-ref-handelsblatt-2010-233-10-299-0[299] Bis zum Abschluss der Gespräche sollte ein Teil der Bauarbeiten ruhen und keine neuen Aufträge vergeben werden.cite-ref-sz-2010-240-2-300-0[300]
Am 30. November 2010 sprach sich GeiĂler in seinem Schlichterspruch im Grundsatz fĂźr das Projekt aus und schlug eine Reihe von Veränderungen unter dem Titel Stuttgart 21 Plus vor,cite-ref-schlichterspruch-198-1[198] darunter den Erhalt der Gäubahn, sowie zusätzliche Kapazitätsreserven bei den Zulaufstrecken und im Bahnhof. Welche Vorschläge zur Kapazitätssteigerung realisiert werden, sollte nach einem sogenannten âStresstestâ, einer Betriebssimulation mit erhĂśhter Belegung, entschieden werden.cite-ref-301[301] Die Ergebnisse dieser Simulationsläufe wurden von SMA + Partner auditiert und im Juli 2011 vorgestellt.cite-ref-302[302] Demnach kĂśnne der Durchgangsbahnhof zur Spitzenstunde 30 Prozent mehr ZugankĂźnfte als der Kopfbahnhof des Jahres 2011 verarbeiten.cite-ref-303[303]
Bei der Diskussion der Stresstest-Ergebnisse am 29. Juli 2011 legte GeiĂler einen von ihm und SMA ausgearbeiteten Kompromissvorschlag unter dem Titel âFrieden in Stuttgartâ vor. Demnach sollte der Fernverkehr weitgehend in einen neu zu bauenden viergleisigen unterirdischen Bahnhofsteil verlegt werden, während der Nahverkehr weitgehend in einem auf zehn bis zwĂślf Gleise verkleinerten oberirdischen Teil verbleiben wĂźrde. Die Kosten dieser LĂśsung wurden, auf Preisbasis von Stuttgart 21, mit 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro angegeben.cite-ref-304[304] Während die Gegner von S21 den Vorschlag begrĂźĂten, lehnte ihn die Deutsche Bahn ab.
Seit der Schlichtung wurden drei weitere Bßrgerbegehren bei der Stadt Stuttgart eingereicht, die jeweils den Ausstieg der Stadt aus dem Projekt Stuttgart 21 zum Ziel haben. Das zweite Bßrgerbegehren stßtzte sich auf die Auffassung, dass die Mischfinanzierung des Projekts verfassungswidrig sei; die Klage gegen die Ablehnung dieses Bßrgerbegehrens durch den Gemeinderat war in zweiter Instanz erfolglos, die Revision zum Bundesverwaltungsgericht ist zugelassen (Stand: Mai 2015).cite-ref-305[305] Das 3. Bßrgerbegehren thematisiert die Mehrkosten des Projekts, das 4. Bßrgerbegehren sieht in Stuttgart 21 einen geplanten Kapazitätsrßckbau. Die Unterschriften wurden im Dezember 2014 bzw. im März 2015 ßbergeben.cite-ref-306[306] Im Juli 2015 lehnte der Gemeinderat das 3. und 4. Bßrgerbegehren ab.cite-ref-307[307]
Im Februar 2020 fand die 500. Montagsdemonstration mit rund 4000 Teilnehmern statt.cite-ref-308[308]
Ergänzungsprojekte
Seit dem Baubeginn 2010 wurden verschiedene Ergänzungsprojekte mit gesonderter Finanzierung beschlossen.
⢠Regionalhalt Vaihingen: Im März 2015 wurden die Pläne im Filderbereich geändert. Der Bahnhof Stuttgart-Vaihingen wurde zum Regionalverkehrshalt ausgebaut und Ende 2021 in Betrieb genommen.cite-ref-309[309]cite-ref-310[310] Ursprßnglich war geplant die Rohrer Kurve kreuzungsfrei zu bauen und ein drittes Bahnsteiggleis an der S-Bahn-Station Flughafen zu errichten. Beides wurde zugunsten des in Planung befindlichen Pfaffensteigtunnel zurßckgestellt. Die Kosten wurden insgesamt auf 80 Millionen Euro taxiert.cite-ref-311[311]
⢠Zusätzliche Weichen: Im Februar 2017 beschloss der VRS, vier zusätzliche Weichen zwischen den Stationen Bad Cannstatt und MittnachtstraĂe zu finanzieren, um die Flexibilität der S-Bahn im StĂśrungsfall zu erhĂśhen. Zunächst waren dafĂźr 2,43 Millionen Euro vereinbart, die im April 2019 auf 2,83 Millionen Euro stiegen.cite-ref-312[312]cite-ref-stn-2019-04-22-313-0[313]
⢠GroĂe Wendlinger Kurve: Während der Bund einer zweigleisigen AusfĂźhrung der zunächst eingleisig geplanten Wendlinger Kurve (zur GroĂen Wendlinger Kurve) ablehnend gegenĂźber stand, wurde hierzu auf Betreiben des Landes der Finanzierungsvertrag am 3. Mai 2019 unterzeichnet. Dies beseitige im Vergleich zur ursprĂźnglich geplanten AusfĂźhrung einen Engpass und erlaube zusätzlichen Verkehr. Die erwarteten Kosten von 100 Millionen Euro werden durch das Land und die Regionen Stuttgart und Neckar-Alb finanziert.cite-ref-pm-vmbw-gwk-314-0[314] Die im Juni 2020 bekannt gewordene KostenerhĂśhung auf 123 Millionen Euro wird ebenfalls vom Land Ăźbernommen.cite-ref-315[315]
⢠Masse-Feder-System: Mit Beschluss der Stadt Stuttgart vom 9. Mai 2019 stellt die Stadt Stuttgart voraussichtlich 5,5 Millionen Euro zur VerfĂźgung, um den S-Bahn-Tunnel zwischen Hauptbahnhof und WolframstraĂe mit einem Masse-Feder-System auszustatten. Die Stadt Ăźbernimmt auch die laufenden Unterhaltskosten dieses Systems.cite-ref-316[316]
⢠digitaler-knoten-stuttgart Im Rahmen des Digitalen Knotens Stuttgart (DKS) wird unter anderem die Infrastruktur von Stuttgart 21 mit Digitalen Stellwerken, ETCS Level 2 ohne Signale und weiteren Techniken ausgerßstet. Der Ausrßstungsbereich von Stuttgart 21 bildet dabei den sogenannten Baustein 2 des DKS und macht räumlich etwa zehn Prozent des rund 500 Streckenkilometer umfassenden Projekts aus.cite-ref-ei-2024-06-10-157-5[157] Die ursprßnglich mit Stuttgart 21 geplante Leit- und Sicherungstechnik (u. a. neue Elektronische Stellwerke, Umbau und Hochrßstung mehrerer Bestandsstellwerke sowie ETCS in den Leveln 1 und 2, jeweils mit ortsfesten Signalen) wurde entsprechend ersetzt.cite-ref-ted-2019-s-204-497847-317-0[317]cite-ref-handelsblatt-2018-131-4-318-0[318]cite-ref-db-2019-06-10-319-0[319]cite-ref-ei-2024-06-43-320-0[320]
⢠Pfaffensteigtunnel: Der Ende Juni 2020 vorgestellte 3. Gutachterentwurf des Deutschland-Takts sieht unter dem Vorbehalt einer positiven volkswirtschaftlichen Bewertung eine neue Tunnelverbindung der Gäubahn zwischen BĂśblingen und dem Flughafenbahnhof vor.cite-ref-321[321] BMVI-Staatssekretär Steffen Bilger und Regionalpräsident Thomas Bopp bezeichneten diesen etwa 12 km langen Tunnel als gesetzt und finanziell gesichert, was jedoch umstritten ist.cite-ref-322[322]cite-ref-323[323] Das Vorhaben soll die Bauvorhaben des PFA 1.3b nebst dem dortigen Mischverkehr mit der S-Bahn und den im März 2015 beschlossenen Ănderungen ersetzen.cite-ref-1-324-0[324] Landesverkehrsminister Winfried Hermann taxierte die Kosten eines solchen Tunnels auf mehr als eine Milliarde Euro und erwartet gegebenenfalls eine Fertigstellung erst nach 2030.cite-ref-1-324-1[324] Gerhard Heimerl sprach sich in diesem Zusammenhang insbesondere fĂźr das Nordkreuz sowie fĂźr einen ergänzenden Kopfbahnhof am Hauptbahnhof aus.cite-ref-stz-2020-158-23-325-0[325] Weitere Kritiker, darunter Ministerpräsident Winfried Kretschmann, sehen in der Notwendigkeit des Vorhabens einen Offenbarungseid und ihre langjährige Kritik an der als unzulänglich bezeichneten Planung des Gesamtprojekts bestätigt.cite-ref-326[326]cite-ref-327[327]cite-ref-328[328] In dem ErĂśrterungstermin Ende April 2021 hat die Vorhabenträgerin erwartungsgemäĂcite-ref-rp-2021-03-11-329-0[329]cite-ref-330[330] an der bisherigen Antragstrasse festgehalten, gegen die ca. 3200 Einwendungen vorgelegt wurden.cite-ref-331[331]
Optionale Ergänzungsprojekte
Aus dem Raumordnungsverfahren ergeben sich drei Erweiterungsoptionen, die ohne Veränderungen an den bestehenden Anlagen realisiert werden kÜnnen:cite-ref-db-pfa15-2003-332-0[332]
⢠Die T-Spange bezeichnet eine direkte S-Bahn-Trasse zwischen Bad Cannstatt und dem Nordbahnhof. Damit wĂźrde eine Direktverbindung entstehen und der Umstieg zwischen den beiden nĂśrdlichen Streckenästen der S-Bahn entfallen.cite-ref-db-pfa15-2003-332-1[332] Die T-Spange ist, neben der Weiternutzung der Gäubahn am Westrand des Talkessels, eine von zwei 1997 vorgeschlagenen MaĂnahmen, um das radiale S-Bahn-Netz um Tangentiallinien zu ergänzen. Diese Tangentiallinien sollten mĂśglichst nahe dem Stadtkern verlaufen und in dessen Nähe mit den Radiallinien sowie dem Stadtbahnnetz verknĂźpft werden.cite-ref-vrs-65-97-333-0[333]
⢠Die P-Option sieht ein drittes und viertes Gleis zwischen Hauptbahnhof und Feuerbach vor. Dieser Abschnitt gilt als der am stärksten belastete Zulaufstreckenabschnitt. Ăber den Pragtunnel und einen weiteren unterirdischen Abschnitt soll der Tunnel Bad Cannstatt erreicht werden.cite-ref-db-pfa15-2003-332-2[332] Die Planung zur Herstellung eines Anschlussbereichs an den Tunnel Bad Cannstatt wurde im Dezember 2020 ausgeschrieben und im März 2021 vergeben.cite-ref-ted-591982-2020-334-0[334]cite-ref-ted-116686-2021-335-0[335] Die Planung erfolgt im Auftrag des Landes Baden-WĂźrttemberg im Zusammenhang mit dem Deutschlandtakt. Eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund soll im Juni 2021 geschlossen werden. Der Anschluss wird seit 2023 hergestellt.cite-ref-stn-2021-77-22-336-0[336]
⢠Die Option Nordkreuz wßrde die Gäubahn als S-Bahn-Strecke aufrechterhalten bzw. reaktivieren und im Bereich des Nordbahnhofs mit den S-Bahn-Strecken nach Feuerbach und Bad Cannstatt verbinden. So kÜnnten zusätzliche Linien bzw. Taktverdichtungen eingefßhrt werden.cite-ref-db-pfa15-2003-332-3[332]
Die drei Optionen seien nach DB-Angaben später âohne wesentlichen Eingriff in den Bahnbetriebâ realisierbar.cite-ref-s21-pfa15-1iii-2006-06-09-15-337-0[337] Die Optionen wurden in einer 2017 durch den Verband Region Stuttgart vorgelegten Studie weiterentwickelt.cite-ref-vrs-2017-10-17-338-0[338] DarĂźber hinaus kĂśnne der Hauptbahnhof laut der Deutschen Bahn bei Bedarf um ein neuntes und zehntes Gleis erweitert werden.cite-ref-stz-2010-07-31-339-0[339]cite-ref-db-2010-08-31-340-0[340] Die Kosten fĂźr die Erweiterung um zwei weitere Gleise wurden von der DB mit 99 bis 152 Millionen Euro beziffert (Stand: etwa 2005).cite-ref-fahrgast-2005-2-29-341-0[341]
Weitere diskutierte Projektänderungen und -erweiterungen:
⢠Fernbahntunnel Nordzulauf: Wie im März 2020 bekannt wurde, soll im Zuge des Deutschlandtakts ein 10 km langer Tunnel entstehen, der aus dem Tunnel Feuerbach ausfädelt, Zuffenhausen und die A 81 unterquert und nĂśrdlich von MĂźnchingen in die Schnellfahrstrecke nach Mannheim einfädelt.cite-ref-stz-2020-03-13-342-0[342] Die Deutsche Bahn hatte den Ausbau 2019 vorgeschlagen, um aufbauend auf Stuttgart 21 eine VerkĂźrzung der Fahrzeit MannheimâStuttgart auf knapp unter 30 Minuten zu erreichen.cite-ref-343[343]
⢠nordhaltZusatzhalt an der Gäubahn: Im Oktober 2019 beschlossen die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Wßrttemberg unter Beteiligung des Verbands Region Stuttgart die Erarbeitung einer Genehmigungsplanung fßr den Bau des Haltepunkts LÜwentorbrßcke/Nordbahnhof an der Panoramastrecke zum Zweck des unterbrechungsfreien Weiterbetriebs dieser Strecke nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21. Der Bahnsteig sollte 210 Meter lang werden und in der Kurve des Abzweigs Richtung Stuttgart-Feuerbach liegen abzweig-von-richtung-feuerbach-nahe-l-wentorbr-cke-stuttgart48.803969.18521. Die Planungskosten sollten 750.000 Euro betragen.cite-ref-vrs-2019-10-02-2-1[2] Im März 2024 wurden die Planungen gestoppt, da der Nutzen in keinem Verhältnis zu den erwarteten Kosten stehe.cite-ref-344[344] Eine im Auftrag des Landesverkehrsministeriums ausgearbeitete ZwischenlÜsung mit vorßbergehenden Erhalt zweier Gleise des Kopfbahnhofs bis zur Inbetriebnahme der Gäubahnfßhrung ßber den Flughafen sei zwar technisch leicht umzusetzen, das Land hat die Pläne jedoch nach Widerstand der Stadt und weiterer Akteure aufgegeben.cite-ref-stn-2020-01-24-345-0[345]
⢠erg-c3-a4nzungsstationerg-nzungsstationErgänzungsstation: Das Land Baden-WĂźrttemberg erwog eine Erweiterung des Tiefbahnhofs durch die sogenannte Ergänzungsstation und hat zu deren ErĂśrterung im Juli 2019 eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Landes, der Deutschen Bahn, der Stadt Stuttgart und des Verbands Region Stuttgart einberufen.cite-ref-346[346] Der Plan sah vier zusätzliche Kopfgleise vor, die in etwa in der Lage des jetzigen Kopfbahnhofs, aber tiefer auf der Ebene der neuen S21-Durchgangsgleise liegen sollten. Dadurch sollte mehr Kapazität und eine direktere Verbindung in Richtung Norden ermĂśglicht werden; auĂerdem sollte so die bestehende Panoramastrecke Ăźber den ehemaligen Bahnhof Stuttgart West nach Stuttgart-Vaihingen als Anbindung der Gäubahn und als Ausweichstrecke bei BetriebsstĂśrungen der S-Bahn-Stammstrecke erhalten werden.cite-ref-ergbf1-347-0[347]cite-ref-ergbf2-348-0[348] Als Prämisse der Arbeitsgruppe wurde der Umfang von Stuttgart 21 als ausreichend fĂźr die absehbare Verkehrsentwicklung betrachtet und dem Städtebau Vorrang eingeräumt.cite-ref-349[349] Die Stadt stand der Idee skeptisch gegenĂźber, die Region Stuttgart lehnte sie ab. Nachdem eine 2023 verĂśffentlichte Machbarkeitsstudie ergab, dass die notwendige Leistungssteigerung des Tiefbahnhofs bereits durch den Digitalen Knoten erreicht wird, wurden die Planungen vom Land nicht weiterverfolgt.cite-ref-2-350-0[350]cite-ref-stn-2021-01-02-351-0[351]
Trivia
⢠Ein 80 Meter langes Stßck eines mit zahlreichen Protestnoten behängten Bauzauns von Stuttgart 21 wurde vom 16. Dezember 2011 bis zum 1. April 2012 in der Sonderausstellung Dagegen leben? Der Bauzaun und Stuttgart 21 im Haus der Geschichte Baden-Wßrttemberg ausgestellt.cite-ref-352[352] Ein einzelnes Bauzaun-Element ist im Verkehrsmuseum Nßrnberg ausgestellt.cite-ref-353[353]
⢠Der Begriff Stuttgart 21 wurde bei der Wahl zum Wort des Jahres 2010, nach âWutbĂźrgerâ, auf den zweiten Platz gewählt.cite-ref-gfds-2010-12-17-354-0[354]
⢠Der Schriftsteller Heinrich Steinfest verÜffentlichte 2011 den Kriminalroman Wo die LÜwen weinen, welcher Stuttgart 21 zum Thema hat und in dessen Nachwort sich der Autor kritisch positioniert.
⢠Im Juni 2018 nannte Baden-WĂźrttembergs Verkehrsminister Winfried Hermann das Projekt Stuttgart 21 âdie grĂśĂte Fehlentscheidung der Eisenbahngeschichte.â Weiterhin sagte er: âWir geben einen Haufen Geld aus und versenken einen Bahnhof und haben dadurch keinen Vorteil.â Gleichzeitig betonte er jedoch, dass es angesichts des damaligen Baufortschritts kein ZurĂźck mehr gebe.cite-ref-356[356]
⢠Das Projekt war Thema der zweiten Hälfte der ZDF-Satiresendung Die Anstalt vom 29. Januar 2019.cite-ref-3-133-1[133]
⢠Kritisch beleuchtet wird das Projekt in dem Dokumentarfilm Das Trojanische Pferd: Stuttgart 21 von Klaus Gietinger (2022).cite-ref-357[357]
⢠Jahre nach Erstellung seiner Gutachten, die wesentlichen Einfluss auf die Projektplanungen nahmen, legte Gerhard Heimerl mittels eines handgeschriebenen Briefes an Landesverkehrsminister Winfried Hermann Wert auf die Feststellung, dass er nie fßr einen komplett unterirdischen Bahnhof geworben habe, sondern einen Durchgangsbahnhof kombiniert mit dem bestehenden Kopfbahnhof anstrebte.cite-ref-358[358]
Literatur
⢠Winfried Wolf: âStuttgart 21â â Hauptbahnhof im Untergrund? Neuer ISP Verlag, KĂśln 1995, ISBN 3-929008-85-8.
⢠Roland Ostertag: Die entzauberte Stadt. Plädoyer gegen die SelbstzerstĂśrung; Stuttgart 21 â Das Milliardengrab. Peter-Grohmann-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-927340-83-1.
⢠Lutz Aichele: Oben leben: Warum Stuttgart 21 keine Alternative braucht. SchrÜderscher Buchverlag, Diepholz 2011, ISBN 978-3-89728-071-7.
⢠Volker LĂśsch u. a. (Hrsg.): Stuttgart 21 â Oder: Wem gehĂśrt die Stadt. PapyRossa Verlag, KĂśln 2011, ISBN 978-3-89438-450-0.
⢠Frank Brettschneider, Wolfgang Schuster (Hrsg.): Stuttgart 21 â ein GroĂprojekt zwischen Protest und Akzeptanz. Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-01379-0.
⢠Winfried Wolf: abgrundtief + bodenlos. Stuttgart 21 und sein absehbares Scheitern, PapyRossa-Verlag, KÜln, 2017, ISBN 978-3-89438-638-2.
Weblinks
⢠Literatur von und ßber Stuttgart 21 im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Bahnprojekt StuttgartâUlm â Offizielle Projektseite
⢠Informationsseiten der Landeshauptstadt Stuttgart
⢠Aktionsbßndnis Kopfbahnhof 21
⢠BĂźrger-Informations-System (BISS21) des Vereins Bahnprojekt StuttgartâUlm
⢠IG BĂźrger fĂźr Baden-WĂźrttemberg â Website eines Vereins von ProjektbefĂźrwortern
Einzelnachweise
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